3 x 50 Jahre
Schweizer Eisenbahnen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
Zum Jubiläum der Schweizer Bahnen wurden nicht nur Videos produziert, sondern auch eine ganze Anzahl Bücher publiziert. Das wohl Herausragendste davon möchten wir etwas näher vorstellen: In der textlichen Bearbeitung ihres Werks legen uns die Autoren in leicht lesbarer Form die geschichtliche Entwicklung der Schweizer Bahnen dar. Sie beschränken sich nicht nur auf die historische Abfolge der Entstehung und der Weiterentwicklung der verschiedenen Bahngesellschaften, sondern sie lassen beispielsweise auch technische Fortschritte und das wirtschaftliche und politische Umfeld, vor allem auch die Einflüsse der Strassentransportmittel in ihre Betrachtungen einfließen. Mit diesem Werk verknüpfen die Autoren eigentlich zwei Aufgaben: sie bringen eine stark zusammenfassende Rekapitulation der fünfbändigen Jubiläumsausgabe "Ein Jahrhundert Schweizer Bahnen 1847-1947" aus den Jahren 1947 bis 1964 und erweitern sie um die mit Ungeduld erwartete, kompetente Aufarbeitung der Geschehnisse im schweizerischen Eisenbahnnetz in den vergangenen fünfzig Jahren seit 1948. Natürlich lassen sich diese fünf Jahrzehnte beim gegebenen Buchvolumen nicht in gleicher Ausführlichkeit wie in der Jubiläumsausgabe behandeln. Dafür verbessert der knappe, auf das Wesentliche beschränkte Inhalt für den Leser die Übersichtlichkeit und die Verständlichkeit. Das Buch erfüllt auch die Aufgabe eines Nachschlagewerks, weil einzelnen Privatbahnen, baulichen Entwicklungen, Fahrzeugkategorien usw. eigene Textabschnitte gewidmet sind. |
Nach Einleitung und Präludium teilt sich der Text in vier Hauptkapitel:
- Die ersten fünfzig Jahre (1847-1897): Privatbetrieb (H. Schwabe)
- Die zweiten fünfzig Jahre (1898- 1947): Bundesbahnen neben Privatbahnen (H. Schwabe)
- Die dritten fünfzig Jahre (1848-1997): 25 Jahre Wohlstand, 25 Jahre Fortschritt mit Sorgen (A. Amstein)
- An der Schwelle der Zukunft (A. Amstein)
Es folgen noch Fazit (Dr. W. Latscha) und ein Anhang mit Literaturnachweis sowie Personen-, Bahn- und Sachregister.
Daß die Begeisterung der Verfasser für alle Bereiche des Schienenverkehrsmittels und ihre persönliche Ausstrahlung in der textlichen Formulierung mit Leidenschaft zum Ausdruck gebracht wird, macht die "3x50 Jahre" erst recht zu einem erlebnisreichen Lesestoff für alle Eisenbahnfreunde und -fachleute. Persönliche Gesprächserinnerungen, zahlreiche Zitate aus Veröffentlichungen und Vorträgen nicht mehr unter uns weilender Eisenbahnfachleute sowie die eigene akademische oder berufliche Tätigkeit inmitten der Schienenstränge wecken beim Leser des jüngsten Schweizer Eisenbahnbuchs den Eindruck, daß er zwei Historikern gegenüber steht, welche einen großen Teil der Ereignisse auf unserem Schienennetz in diesem Jahrhundert selber erlebt oder zumindest durch unmittelbare mündliche Überlieferung "nachempfunden" haben. Als Hinweis möge lediglich die Tatsache dienen, daß die Autoren zum Beginn des Wiederaufbaus des 1945 zerstörten niederländischen Eisenbahnnetzes die bekannte Überfuhr schweizerischer Dampflokomotivn aus der Schweiz nach Holland selber mit Kohlenschaufeln und Ölkannen in der Hand begleitet hatten. Oder die Feststellung auf der Seite 181, wonach die Jurafrage unter anderem im Zusammenhang mit der ersten Kreiseinteilung der jungen SBB zu sehen ist. Vereinzelte kleine textliche Unstimmigkeiten - beispielsweise bei Radsatzfolgebezeichnungen - vermerkt der aufmerksame Leser nur gerade wie "schlecht gestopfte Schienenstösse". Um dem Leser das Verständnis zu erleichtern, wäre gelegentlich eine einfache technische Zeichnung nützlich. Im Kapitel Fazit greift Dr. W. Latscha hochaktuelle Themen der heutigen Unternehmenspolitik im Verkehrssektor auf. Seine Betrachtungen befassen sich mit der Bahnreform im Ausland und in der Schweiz mit dem Ziel, auch in den vierten fünfzig Jahren lebensfähige Bahnstrukturen in der Schweiz aufrechterhalten zu können. Wenn auch die neuzeitliche Farbdrucktechnik hervorragende Buchillustrationen zustande brächte, empfindet der Leser die Beschränkung auf Schwarzweissbilder, die in großer Zahl jeweils am oberen Seitenrand den Text ergänzen, wohltuend als Versachlichung des gesamten Inhalts. Lediglich einige Reproduktionen von Gemälden aus Basler Privatbesitz, die auch die Eisenbahnromantik zum Sprechen bringen - das einzige grossformatige Bild einer C 5/6 zählt dazu, erscheinen farbig. Die reichhaltigen persönlichen Bildersammlungen der vier Autoren, die sich ebenso sehr aus fotografischen Eigenaufnahmen wie aus geschichtlich wertvollen Bildern von Werkfoto- oder Verlagskollektionen zusammensetzen, sollten einem breiteren Liebhaberkreis vermittelt werden. Sie sind geradezu wie geschaffen, um durch die von Kennern getätigte Bildauswahl zum Werk "3 x 50 Jahre" einer dankbaren und aufmerksamen Leserschaft eine nachhaltige Erinnerung an das 1997 gefeierte 150jährige Bestehen der Schweizer Bahnen zu vermitteln. Selbst der in die restaurierte Halle des Hauptbahnhofs von Zürich am 8. August 1997 einfahrende Spanisch-Brötli-Bahn-Zug ist bildlich festgehalten. |
Fazit: Die "3x50 Jahre" sind jedem eisenbahnhistorisch
interessierten Leser wärmstens zu empfehlen.
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Buch 3x50 JAHRE - SCHWEIZER EISENBAHNEN IN VERGANGENHEIT, GEGENWART UND ZUKUNFT
von Hansrudolf Schwabe / Alex Amstein
mit Karl Wyrsch und Peter Willen
Fazit von Dr. Werner Latscha
432 Seiten
zahlreiche Abbildungen überwiegend schwarz/weiß
Format 22,6 x 22,6 cm, gebunden
CHF. 128.-
Pharos-Verlag Hansrudolf Schwabe AG, Basel
1997
ISBN: 3-7230-0235 -8
Kritik: Hans Streiff, SEAK
28.04.11 / Webmaster