Schweizerischer Eisenbahn-Amateur-Klub Zürich SEAK

Die Vereinigung der Eisenbahnfreunde

 
 


Text und Fotos von Bernhard Ledermannn


Tag der offenen Tür der DFB


Am 25. Februar 2017 öffneten die Aktivmitglieder der DFB bei prächtigem Winterwetter ihre Türen der Werkstätte in Realp. Über die Aktualitäten konnten sich die Besucher via Anschrift auf dem Bild 7010 ein Bild machen, resp. wo die DFB auch über ihre zukünftige Projekte informierte. www.dfb.ch 


Eindrücklich was auch während der Winterpause an der Furka alles abgeht. So werfen wir auf dem Bild 7003 einen Blick in die Werkstatthalle, wo die Besucher hautnah die Arbeiten an den Drehgestellen von Personen- und Gepäckwagen sowie die Unterhaltsarbeiten an der HG 3/4 1 und dem D 4542 miterleben konnten und zugleich konnten auch Fragen an die zuständigen Freunden der DFB gestellt werden.  


Ebenfalls in Realp präsentierte sich der Verein MGBahn Historic mit einem Stand wo über die aktuellen Arbeiten und zukünftige Projekte informiert wurde, davor sehen wir auf den Bildern 7001 und 7002 nicht nur Achsen, sondern auch die professionelle Werkstatteinrichtungen für die Handwerker. Aktuell kümmert sich der der 2016 gegründete Verein um folgende Fahrzeuge: BVZ HGe 4/4 15, Baujahr 1930; BVZ HGe 4/4 16, Baujahr 1939; FO HGe 4/4 I 36, Baujahr 1949; SchB/FO BDeh 2/4 41, Baujahr 1941 und dem FO Tm 2/2 4926, Baujahr 1946. Mehr kann unter der Website www.mgbahn-historic.ch entnommen werden. 


In der Fahrzeughalle sehen wir die 1902 für die damaligen VZ von der SLM erbaute  HG 2/3 6 „Weisshorn“ mit der Depotkatze und dahinter die 12 Jahre jüngere HG 3/4 9 die auch die SLM an die damalige BFD lieferte. (Bild 7013) 


Eine farblich abwechslungsreiche Zusammenstellung bietet das Bild 7008 mit den zwei ehemaligen BVZ-B 2267 und 2272, heute bei der DFB als B 4267 und 4272 immatrikuliert. Wieder im originalen weinroten Anstrich aus der Ablieferungszeit von 1963, dem von der RhB übernommen gelben Tm 91 und dem sich Aufarbeitung befindlichen A 4162, dem ehemaligen A 2062 von der BVZ von 1961 in der herrlichen Winterlandschaft im Tal der Furkareuss. 


Auf dem Bild 7012 schauen wir der blauen HG 3/4 1 so richtig in den Kessel, resp. der Besucher konnte so auch ein detailliertes Bild einer Dampflokomotive gewinnen. 


Weiter konnte man in Realp auch ein Gang in die ehemalige Festung Bielen werfen, wo die DFB die vom Militär errichtete Räume nun als Magazin für die Gleisbaumaterial-Aufbereitung nutzen kann. (7015) 


Auf dem Schlussbild 7016 werfen wir natürlich ein Blick in Richtung Furkapass mit der 2015 von der RhB übernommen Schneeschleuder Xrotm 9216 von 1958 (erbaut von RACO) sowie der 51 jährigen Gm 71, erbaut von Jung. 


Erfreulich waren das der gut besuchte Anlass von einer breiten Publikumsmasse frequentiert wurde. Zugleich wurde einem einmal mehr bewusst, das Vereine/Institutionen wie die DFB ohne die ehrenamtlichen Mitarbeiter/Mitglieder nie existieren resp. solche Leistungen erbringen könnten.




Salonwagen der BLS


Extrazug.ch hat 2-achsigen Salonwagen der BLS übernommen

Diese Schlagzeile konnte ich am 21. Februar d. J. auf dem Eisenbahnfachportal www.bahnonline.ch entnehmen. Ein Grund um wieder einmal im Archiv zu stöbern resp. sich mit den entsprechenden Fachliteraturen aufzufrischen.

Denn ab 1910 nahm die Montreux Oberland Bernois (MOB) Einfluss auf die Fahrpläne der damaligen Thunersee-Bahn (TSB), welche per 01. Januar 1913 mit der  damaligen Berner Alpenbahn Gesellschaft Bern-Lötschberg-Simplon (BLS) fusionierte und den beiden Vorgängerinnen der ehemaligen SEZ, nämlich der Spiez-Erlenbach-Bahn (SEB) und Erlenbach-Zweisimmen-Bahn (EZB) in dem für die Reisenden der GoldenPass Strecke Interlaken – Montreux auch Sitzplätze 1. Klasse angeboten werden mussten. Daher beschafften die TSB und EZB im Jahre 1911 bei der SIG in Neuhausen die 2-achsigen Erstklasswagen A 51-52 und 57-58, welche mit ihren 24 Polstersitzplätze damals als sehr luxuriös galten.

Weiter war geplant dass die SEB ebenfalls einen solchen Erstklasswagen zum Preis von CHF 11‘750.00 beschaffen sollte, doch aus finanziellen Gründen wurde diese Beschaffung nicht ausgeführt. Zugleich war dies die letzte Beschaffung von 2-achsigen Personenwagen der damaligen BLS und deren mitbetriebenen Bahnen resp.Vorgängerbahnen wie SFB und TSB.

Doch bereits drei Jahre später mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges wurden die beiden Expresszugpaare 1 und 2 resp. 88/89, Interlaken – Zweisimmen aus den Fahrplänen gestrichen, was zur Folge hatte, dass diese Wagen praktisch für längere Zeit im Stilllager blieben, was vor allem die damalige mit finanziellen Schwierigkeiten kämpfende EZB schwer spürte. Daher entschied sich die betriebsführende BLS in den 1940er Jahren diese vier Wagen umzubauen. So wurden der BLS-A 51 und die beiden SEZ-Wagen in Drittklasswagen der Serie C umgebaut. Aus dem BLS A 52 entstand 1943 bei der SWS in Schlieren der heutigen Salonwagen As 51, welchen die BLS auch Drittkunden anbot resp. zur Verfügung stellte. So figurierte er 1943 auch in einem der Kommandozügen des damaligen Generals Henri Guisan.

Während der Wagenkasten beim Umbau eine geschmackvolle Innenausstattung mit Grossraum-abteil, kleinem Buffet und WC erhielt, wurde an der Laufwerkkonstruktion des 13200 mm langen und 16 Tonnen schweren Wagens keine Umbauten vorgenommen. So blieben auch die schlechten Laufeigenschaften und ein entsprechender Lärmpegel. So landete der mit A 51 angeschriebene Salonwagen noch vor dem Ende des 2. Weltkrieges auf dem Abstellgleis.

Von 1946 bis im Mai 950 wurde der Wagen regelmässig als reservierter Wagen für amerikanische Militärurlauber in den Schnellzügen Interlaken – Zweisimmen eingesetzt. Im Juni 1950 wurde der Wagen vom A Salon zum A-Wagen deklassiert. Ab dem Herbst 1950 war er regelmässig als Erstklasswagen in den Schnellzügen – Interlaken Ost –  Zweisimmen anzutreffen. Trotz hohem Lärmpegel und den unbefriedigten Laufeigenschaften bildete der A 51 schon damals eine viel beachtete Attraktion. Ab dem Frühjahr 1951 wurden regelmässig Umbauten am Laufwerk vorgenommen um die Laufeigenschaften zu verbessern, doch immer wieder trafen Verschlechterungen ein, so dass das Fahrzeug immer wieder aus dem Betrieb gezogen werden musste. Mitte der 1950 Jahre gab es infolge der beschriebenen Laufeigenschaften etliche Beanstandungen von den Reisenden sowie vom Zugspersonal. Erst nach einer weitern R3 vom 15. Juli 1959 mit dem Einbau von neuen Achslagerfedern in Form hochwertiger Gummielemente brachten die gewünschten Verbesserungen des Wagenlaufs.

1964 wurde der A 51 schliesslich endgültig aus dem Verkehr gezogen. Danach diente er über 50 Jahre in der Werkstätte Bönigen als Konferenzraum. Trotzdem erhielt der damalige wagengrüne Waggon noch zwei neue Aussenanstriche. Mit der Inbetriebnahme der nachbestellen EW I in den Jahren 1976-1978 erhielt der seit 1978 als X-v 40 63 94 07 551 bezeichnete Wagen den damals aktuellen blau/crème Anstrich wie auf dem Bild aa86 anlässlich eines Besuches mit meinem Vater (aktiver Eisenbahner bei der BLS) vom 08. April 1986 in der Werkstätte Bönigen. Als die BLS ab Ende 1981 mit der Beschaffung der ersten Serie der RBDe 565-Pendelzüge ihr Aussendesign aktualisierte mit blauen Plattformen erhielt der 1984 zum X-v 40 63 94 07 900-7 umnummerierte Konferenzwagen auch einen entsprechenden Aussenanstrich wie auf dem Bild bb99 vom 20. März 1999 anlässlich der Besichtigung mit dem Schweizer Eisenbahn-Amateur-Klub Zürich (SEAK). Das letzte Bild (cc06) zeigt einen Blick ins Innere und zwar ebenfalls bei einer Besichtigung mit dem SEAK vom 11. September 2006. Anstelle des ausgebauten WC wurde eine Garderobe eingebaut und neben einer 220 V-Röhrenbeleuchtung erhielt der Wagen noch einen Bahntelefonanschluss.


Es wäre natürlich schön wenn der Verein Extrazug.ch diesen Wagen entsprechend restaurieren könnte, denn so hätten wir einen Zeitzeugen aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts, welche die BLS und damaligen mitbetriebenen Bahnen zur Bewältigung des Lokalverkehrs prägten, resp. nach Umbauten zu Dienstwagen der Serie X ab Ende der 1940 Jahre bis ins 3. Jahrtausend auf dem Netz der BLS AG anzutreffen waren.

Betreffend Fachliteratur konnte ich neben den bekannten Publikationen von Claude Jeanmaire und Theo Stolz auch von einer internen Hauzeitschrift der BLS profitieren, wo Ende 1978 der damalige Werkstätte Vorstand von Bönigen, Rudolf Gerber einen ausführlichen Bericht über diesen Wagen schrieb, sowie auch über interne Fachliteratur vom damaligen Direktor Prof. Dr. jur. Friedrich Volmar.