Schweizerischer Eisenbahn-Amateur-Klub Zürich SEAK

Die Vereinigung der Eisenbahnfreunde

 
 


Text und Aufnahmen Bernhard Ledermann


Die SVEA-DV in Balsthal


Über das nasskalte Frühlingswochenende vom 27./28. April 2019 ging in Balsthal die 72. Delegiertenversammlung des SVEA (Schweizerischen Verband Eisenbahn-Amateur) über die Bühne, wo ich zusammen mit meinem Präsidenten den „Schweizerischer Eisenbahn-Amateur-Klub Zürich SEAK“ vertreten durfte/konnte.

Die Organisation dieser DV übernahm der Verein Eisenbahn-Klub Balstahl (EKB), welcher dieses Jahr zugleich sein 40 jähriges Bestehen feiern kann.

Zuhause sind die Kollegen des EKB in einem etwas anderen Klublokal wie das Bild 2678 zeigt resp. auch im Eisenbahn Amateur 4/2019 in der Rubrik “aus dem Klubleben” zu entnehmen ist. Denn beim Klublokal handelt es ich um den ehemaligen OeBB-Leichtzug BDe 2/8 203, welcher 1985 nach einem Kollision ausrangiert werden musste und seit 1986 dem EKB hinter dem OeBB-Depot aus Klublokal gilt. Zu erwähnen ist hier dass es sich hier auch um ein geschichtsträchtiges Fahrzeug handelt. Denn wie Ihr alles wisst, setzte in den 1930er Jahren die Wirtschaftskriese und die aufkommende Konkurrenz durch den motorisierten Strassenverkehr vielen Bahngesellschaften in der Schweiz zu so wie auch der BLS und deren damals mitbetriebenen Bahnen wie die Gürbetal-Bahn (GTB), der Bern-Schwarzenburg-Bahn (BSB), den beiden Bahnen im Simmental (SEB und EZB) sowie z. T. auch der Direkten von Bern nach Neuenburg (BN). Um die Betriebskosten zu senken, entschied sich die BLS-Gruppe das Leichttriebwagen-Konzept einzuführen. So wurde für die damalige GTB in den Jahren 1935 und 1937 die Leichttriebwagen Ce 2/4 691 und 692 beschafft, weiter folge 1938 noch der Leichtanhängerwagen BCF4 471. Da die Fahrgastzahlen dank diesem Konzept anstiegen wurden 1946 vier der fünf Ce 2/4-Leichttriebwagen mit den vier Anhängerwagen in der SIG in Neuhausen zu den Leichtzügen BCFe (ABDe) 2/8 701-702 und 704-705 umgebaut. Der vom EKB übernommen Zug figurierte bis 1982 als ABDe 2/8 704 der damaligen GBS im Rollmaterialverzeichnis der BLS und deren mitbetriebenen Bahnen. Nach der Inbetriebnahme der RBDe 565 721-730 im Jahre 1982 konnte die Oensingen-Balsthal-Bahn (OeBB) per 01. April 1982 den damals technisch im besten Zustand befindlichen ABDe 2/8 704 käuflich übernehmen und stand dann so bis 1985 als BDe 2/8 203 im Solothurner Jura im Einsatz. Dies kurz zur Geschichte dieses Triebzuges, welcher schon damals mit einer Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h verkehren konnte.


Im Steuerwagen-Teil betreiben die Freunde des EKB’s die H0-Modell-Eisenbahnalge “Lötschberg” welche auch einen H0m-Teil (BVZ, FO, MGB) beinhaltet wie die Bilder 2680 mit dem OeBB-Zug mit der Eb 2/4 35 und der Ed 2x2/2 196 vor den blauen Seetal-Bi zeigen sowie der französischen Dampflokomotive 241 A 65; mit einem Deh 4/4 II-Pendelzug der FO auf dem Bild 2683 und einem Güterzug der BLS auf der Bietsch-talbrücke gezogen von einer Ae 8/8 auf dem Bild 2687. Weiter werfen wir auf dem Bild 2689 auch ein Blick in den “Schattenbahnhof” welcher u.a. 11 Abstellplätze aufweist. Das Wort “Kreativität” in Form von “Werbelokomotiven” wird beim EKB auch gelebt so wie auf dem Bild 2691. So sehen wir eine SBB-Re 460 im Look der Sport Hauptstadt Bern. Denn dieses Jahr feiern der BSC Young Boys im Fussball ihren 13. und der SC Bern im Eishockey den 16. Meistertitel, daher ist Bern nicht nur die Hauptstadt der Schweiz sondern nach 1959 zum zweiten Mal auch Sport Hauptstadt der Schweiz. Neben Bern war auch Zürich zweimal Sporthauptstadt der Schweiz nämlich 1966 mit dem FC Zürich und der Eishockeysektion des Grasshopper Club Zürich sowie 2001 mit GC im Fussball und den ZSC Lions im Eishockey. Zu erwähnen ist noch dass die Eisenbahn-Kollegen aus Basel und aus dem Solothurner Jura (pro FC Basel) die Leistungen vor allen des BSC YB voll anerkannten und Respekt zollten. Das Klubrestaurant und die Werkstatt hat der EKB im Triebwagenteil ihres etwas anderen Klublokals untergebracht, mehr kann unter deren Website www.eisenbahnklub-balsthal.ch entnommen werden.

 

Neben dem EKB hatten die Besucher/SVEA-DV-Teilnehmer auch die Möglichkeit das OeBB-Depot mit seinen vier Dampflokomotiven und dem roten Pfeil zu besichtigen. So sehen wir auf dem Bild 2697 vor dem Depot den 1966 von Raco für die von Roll in der Klus erbaute  Dieseltraktor Em 2/2 24, welcher im Januar 1994 von der OeBB übernommen wurde. Auf dem Bild 2698 sehen wir den legendären Roten Pfeil, RBe 2/4 202, seit Januar 1974 im Bestand der OeBB. Er wurde im Jahre 1938 von den Lieferfirmen SLM, MFO, BBC und SAAS als RCe 2/4 1007 an die SBB geliefert wo er 36 Jahre seinen Dienst versah. Nun wartet dieses legendäre Fahrzeug infolge Lamellenkurzschluss in einem der Antriebsmotoren auf seine Aufarbeitung. Weiter müssen auch die Motoren revidiert werden und der Kasten mit einem neuen Aussenanstrich versehen werden. Um die externen Kosten für diese Arbeiten zu decken ist die OeBB auf Unterstützung angewiesen und hat daher ihre erste Crowdfunding-Aktion via www.lokalhelden.ch/roter-pfeil gestartet. Auf dem Bild 2702 sehen wir neben dem Roten Pfeil die 1891 von Krauss Maffei an die damalige Jura-Simplon-Bahn (JS) gelieferte Eb 2/4 35 welche im Juni 2006 von der SBB-Historic zur Dampfgruppe der OeBB gelangte.


Alle vier aktuell von der OeBB betriebenen Dampflokomotiven sehen wir auf dem Bild 2703 mit der E 3/3 1 ex KLB, E 3/3 2, JS-Eb 2/4 35 und der SCB-Ed 2x2/2 196 im Depot Balsthal. Auf dem zweitletzten Bild dieser Reportage werfen wir noch ein Blick in den in den Führerstand des Roten Pfeils. (2705)  Das Schlussbild 2709 zeigt den SBB-Domino welcher Balsthal als R 26048 in Richtung Klus – Oensingen verlässt. Wir beachten jedoch auch die die Bahninfrastruktur der OeBB mit dem Semaphor-Signal den zweiachsigen Güterwagen sowie dem schön frühlingsgrünen Hügelzug der Schwängimatt.


Ab 14:00 ging dann im Kultursaal “Hauslimatt” in Balsthal die 72. SVEA-DV über die Bühne mit anschliessendem Apéro und gemeinsamen Nachtessen mit Abendunterhaltung.

Da die zugleich die kürzeste Normalspurbahn der Schweiz mit Netz-Zugang die weiter dieses Jahr in 120 jähriges Bestehen feiern kann mit ihren 4,115 km Streckenlänge derart viel bietet werde ich die Reportage über die diesjährige SVEA-DV in zwei Teilen verfassen. Der Part II mit dem Sonntagsprogramm wo dann die OeBB entsprechend zum Zug kommt folgt bis in zwei Wochen.


 



BLS Depots und Werkstätten


Mit dem Konzept „Neue BLS-Werkstätten“ unternimmt die BLS Schritte um der Wartung ihrer Züge zu dem laufend ausgebauten Angebot für uns Bahnkunden gerecht zu werden. Mehr darüber kann unter https://www.bls.ch/de/unternehmen/projekte-und-hintergruende/neue-werkstaetten entnommen werden.

Von den drei Werkstätten wo diejenigen in Bönigen und Spiez gerade umgebaut resp. erweitert werden, gibt vor allem der Neubau der S-Bahn-Werkstätte Chliforst Nord bei der Haltestelle Riedbach (KBS-Linie 305) im Westen der Stadt Bern viel zu reden und hat aktuell bei deren Bevölkerung einen sehr schweren Stand, was die BLS-Verantwortlichen im Rahmen der öffentlichen Ausstellung zum Siegesprojekt „Chliforst Nord“ u. a. anfangs März d. J. zu hören bekamen. Mit Einsprachen muss gerechnet werden resp. es wird sogar mit dem Gang ans Bundesgericht gedroht. Mehr darüber kann dazu online aus der „Berner Zeitung“ entnommen werden.

Doch wir wollen ja auch hier positiv denken und konzentrieren uns auf das „Praktische“ vom 02. März 2019 mit dem Ausstellungszug, den Visualisierungen zum Siegesprojekt sowie nehmen zugleich einen kurzen Rückblick in die Werkstattgeschichte der BLS auf Stadtberner Boden von 1901 bis zur Realisierung der geplanten Werkstätte im Forst vor.

Das “alte” Depot Holligen entstand in mehreren Bauetappen. Der älteste Teil aus dem Jahre 1901, als die damalige Bern-Neuenburg-Bahn (BN) und die Gürbetal-Bahn (GTB) eröffnet wurden. Der damalige “Grundstock” wurde durch die Dampflokomotiven Eb 3/4 1-6 der BN und die vier Ed 3/3 1-4 der GTB gebildet. Mit den Nachbeschaffungen der Eb 3/4 7 und 8 in den Jahren 1903 und 1906 sowie den Ed 3/4 51-53 der 1907 eröffneten Bern-Schwarzenburg-Bahn (BSB) musste die Lokomotivremise nach vorne vergrössert werden. Die nächste grössere und seitliche Erweiterung erfolgte im Jahre 1938 als die BLS/BN mit den BCFZe (ABDZe) 4/6 731 und 736-737 die ersten Leichtzüge beschafften.

1946 erfolgte die letzte bauliche Anpassung wo die Werkstätte vergrössert wurde, u. a. mit den damaligen Schlosser-Werkplätze, dem Werkzeugzimmer, Werkzeugmaschinen sowie auch Plätze für die Hubwagen-Revisionen und die Vergrösserung des Depot-Fahrdienstbüro und Depotchef-Büro. Anfänglich fanden neben dem Fahrzeug-Unterhalt auch die Reisezugwagen der damaligen BN, GTB und BSB in Ausserholligen unterhalten. Mit dem Bau der Werkstätten in Spiez und Bönigen veränderte sich auch der Aufgabenkreis des Depots Holligen. Revidiert wurden in Holligen nur noch die thermischen Traktoren. Vor allem die Serien Tm 61-72 und Tm 82-88. In den 1970er Jahren wurden die Depottore durch automatische Tore mit Fenster ersetzt, so wurde die Halle für die Mitarbeiter doch ein wenig freundlicher und 1976 wurde das Depotgleis A6 mit einer modernen und beleuchteten Grube versehen, doch mussten die Pendelzüge der Serien ABDe 4/8 746-750 und 751-755 mit Bt infolge Länge je nach Arbeitsablauf getrennt werden. Auch nicht ungefährlich war der Fahrdraht mit 15 kV/16,7 Hz in der hölzernen Halle, dies waren nur wenige Punkte die aufzeigten, dass sich ein Neubau aufdrängte. Schliesslich wurde nach einer langen Planungsphase in den Jahren 1992-1994 das jetzige Gebäude erstellt und auch in dieser Phase nahmen die Mitarbeiter des Depots Holligen seinen Aufgabenkreis wahr! Im “neuen” Depot Holligen konnten nun bis zu vierteilige RBDe 565-Pendelzüge unterhalten werden. Insgesamt wurden vor gut 25 Jahren dem “neuen” Depot Holligen total 97 Fahrzeuge zum damaligen “Aussendienst” zugeteilt, resp. heutigen P-Stufen u. a. mit den RBDe 565 726-742 sowie den Re 425 190-195. Dazu kamen die Revisionen der Tm 235 061-072 sowie Tm 235 079-089 sowie auch die 2 Dieseltraktoren der damaligen Sensetal-Bahn (STB). Weiter wurden auch die ca. 100 Notstromgruppen und ca. 30 Schweissgruppen unterhalten resp. bewirtschaftet.

Mit der Basisvereinbarung SBB/BLS in den Jahren 2000/2001 gab es im Grossraum Bern wieder Änderungen wo ja der BLS per Fahrplanwechsel 2005 die gesamte S-Bahn-Bern übertragen wurde. Zu diesem Thema seit Ihr ja alle vor allem auch durch Fachzeitschriften wie “Schweizer Eisenbahn-Revue” (SER) und “Eisenbahn-Amateur* (EA) mehr als nur informiert. Denn mir dem Umzug in die SBB-Werkstätte Aebimatt wird das jetzige Gebäude des Depots Holligen anderswertig genutzt, resp. es haben sie Drittfirmen im Bereich Eisenbahn eingemietet. Man muss auch wissen das selbst das jetzige Gebäude die Aufgaben welche noch dieses Jahre in der Aebimatt ausgeführt werden, vor allem flächen- und gleismässig niemals hätte übernehmen können.

Mit der Inbetriebnahme der RABe 525 001...037 (NINA) in den Jahren 1998-2005, Übernahme der EW III-Pendelzüge per Ende 2004, der Triebfahrzeuge RBDe 566 II 231-242 mit B-Lego/B6, ABt des damaligen RM infolge Fusion von 2006 und der Inbetriebnahme der Doppelstock-Züge RABe 515 001-031 in den Jahren 2012-2014 und 2017 kommt die BLS auch in der Werkstätte Aebimatt, welche nach wie vor den SBB gehört/die BLS ist dort eingemietet, sicher an ihre Grenzen. Weiter sind die Werkstatthallen zu eng und teils sanierungsbedürftig. Dazu kommen noch geplante Anpassungen an der Gleisgeometrie zur Zufahrt infolge Grossumbau des Bahnhofs Bern. Somit steht die Aebimatte der BLS noch bis Ende 2019 zur Verfügung.

Mehr darüber kann dazu auch in der obenstehenden Verlinkung entnommen werden. So wird die BLS als Übergangsphase bis zur Realisierung des Neubau Bern West, voraussichtlich im Jahr 2025 ab September 2019 sich in Givisiez im dort am ab dem 25. Februar d. J. sukzessive eröffneten neu erstellten Komplex des tpf einmieten. Denn die Freiburgische Verkehrsbetriebe AG, französisch Transports publics fribourgeois SA www.tpf.ch wird nun in Givisiez (KBS-Linie 255) auf einer Fläche von 43’000 m2 ihre Aufgaben (auch Busse) unter einem gemeinsamen Dach vornehmen. Dieser Bau bietet u.a. 700 Arbeitsplätze, deren Baukosten betrugen 120 Millionen Schweizer Franken. Mehr darüber kann aus den “Freiburger Nachrichten” vom 19. März d.J. entnommen werden. Sicher werden wir zur Wartung der BLS-Züge in Givisiez ab dem Herbst d. J. in den betreffenden Online- und Printmedien aktuelles entnehmen.

Doch nun wieder zurück nach Bern West wo die Bilder 8271 und 8273 den Ausstellungszug in Riedbach zeigen und zwar mit der Re 420 504-3, den historischen Be 4/4 761, A 808, 806 sowie den mittels technischer Kontrolle (TK) in Bönigen per 15. Februar 2019 zum Ausstellungswagen umfunktionierten B 545 (ex BN-B 792). Die weiteren Bilder zeigen die Visualisierungen der Aussen- und Innenansicht sowie den Situationsplan sowie der Standort der geplanten Werkstätte in Form eines Relief, welche alle im Ausstellungswagen persönlich besichtigt werden konnten. Weiter wurden für die Interessierten der Studienauftrag BLS-Werkstätte Chliforst Nord inkl. Schlussbericht des Beurteilungsgremiums in Form einer Broschüre aufgelegt. Diese ausführliche Dokumentation kann auf von der BLS-Website heruntergeladen werden. https://www.bls.ch/-/media/bls/pdf/uebrige-pdfs/neue-werkstaetten-schlussbericht-studienauftrag-chliforst-nord.pdf

 


Für den Eisenbahninteressierten war diese Ausstellung sicher auch aufschlussreich betreffend Neubaukonzepte von zukünftigen Bahnwerkstätten, ein Thema das aktuell sein bleiben wird und auch muss, denn wir wollen ja alle sichere und vor allem auch saubere Züge. Dazu ergeben sich natürlich auch wieder neue Möglichkeiten diese Werkstätten an einem Tag der offenen Türe oder auch mittels Führung integriert in einem Eisenbahnklub zu besichtigen, wo ja sicher etliche davon Gebrauch machen werden.

Für diese Reportage konnte ich neben der BLS-Website auch auf interne Broschüren der damaligen BLS wie die Hauszeitschrift der BLS-Gruppe 4/1978, diverses interne Verteiler, welche mir alle mein Vater, welcher gut 40 Jahre im Depot Holligen tätig war, zur Verfügung stellte, entsprechend zurückgreifen.