Die Centovallibahn, ihre Tunnels, Brücken und Kurven 
Exkursion SEAK und SGTI vom Samstag, 12. März 2005
  
Ersatz für die Exkursion nach Chiasso, welche leider durch Post- und SBB-Probleme 
noch nicht zu Stande kam! Aber: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben! 
  
Kaum ein Schweizer, welcher nicht einmal im Leben die Fahrt von Locarno durch das Centovalli und Val Vigezzo, entlang der beiden Gewässer Melleza, occidentale und orientale nach Domodossola gefahren ist. Kurven an Kurven, Tunnel an Tunnel sowie viele interessante Brücken, an Berglehnen "duckende" Dörfer und Weiler, viele Seilbahnen säumen die Strecke.
  
Unser Besuch führt uns bis zum Grenzbahnhof Camedo. Aber zuerst möchten wir einen Einblick in das den Schweizer Teil der Strecke betreibenden "Ferrovia e Autolinee Regionli Ticinese", kurz FART genannt, bekommen. Nebst der Bahnstrecke Locarno – Ponte Brolla – Intragna – Camedo betreibt das Unternehmen auch viele Autobuslinien. Zusammen mit der italienischen Gesellschaft SSIF (Societá Subalpina di Imprese Ferroviarie S.p.A.) wird die ganze Strecke in enger Partnerschaft betrieben.
 
Beide Unternehmen führen jedoch auch durchaus ein Eigenleben! Vor allem im regionalen Verkehr der beiden Endpunkte Domodossola und Locarno gibt es recht grosse Unterschiede! Auf dem italienischen Teil gibt es einen regen Schülerverkehr nach Domo, indessen der östliche Teil wiederum einen starken Vorortsverkehr verzeichnen kann. Interessanterweise sind im Schweizer Kursbuch die SSIF-Regionalzüge nur teilweise aufgeführt, gleicherarts jene der Schweiz im SSIF-Fahrplan. Das Rollmaterial beider Bahnen wird praktisch freizügig eingesetzt, das Personal beider Bahnen befährt die ganze Strecke, tauscht aber teilweise dienstplanmässig auch Züge ab. Das FART-Personal fährt dabei Autobus und Bahn.
 
Die frühere Streckenführung durch das Delta in Locarno wurde regelmässig vom Lago Maggiore überschwemmt, so dass man auf dem alten Tramtrasse durch die Stadt fahren musste. Dieser unbefriedigende Zustand wurde mit dem Bau eines Tunnels ab Solduno bis zum SBB-Bahnhof Locarno beseitigt. Im "Untergrundbahnhof" der FART befindet sich auch das Depot für den kleineren Unterhalt und die Reinigung der Fahrzeuge, welche wir besichtigen möchten. Im Tunnel selbst gab es mannigfache Probleme, was den Bau arg verteuerte und zu politischen Konsequenzen führte. Doch ohne Tunnel wäre ein geordneter Betrieb der FART kaum mehr möglich! Als eine der ersten Bahnen ist hier an der Tunneldecke eine Stromschiene (analog SBB-Museumstrasse und SZU-Sihltunnel) montiert. 
 
Nach dem freien Essen in Ponte Brolla werden wir die dortige Werkstätte besichtigen, welche auf dem Gebiet des ehemaligen Maggiatal-Bahnhofs steht. Hinter dieser ist noch das Tunnel und die Maggiabrücke der mit der MFO-Rutenfahrleitung ausgerüsteten, 1965 aufgehobenen Strecke nach Bignasco zu erkennen. Ein bekanntes Bild ist jedem von uns bekannt: ein Zug der Centovallibahn auf der filigranen Brücke über die Isorna bei Intragna (bekannt durch seinen hohen und schlanken Campagnile!). Anschliessend werden wir feststellen können, dass diese Strecke einen recht hohen Unterhaltsaufwand zu betreiben hat, ist doch die am Berg "klebende" Bahnstrecke recht häufig durch Steinschlag und Erdrutsche gefährdet. Kurz vor Camedo sehen wir dann noch den Stausee von Palagnedra, welcher bei Unwetter regelmässig gezielt Wasser ablassen muss, um selbst nicht gefährdet zu werden. Infolge der vegetativ schwachen Jahreszeit bietet sich uns ein bedeutend besserer Blick hinunter ins Tal und auf die Bauten der Bahn.
 
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