Zum 125-Jahrjubiläum der Appenzeller Bahnen: Appenzeller Bahn (AB) 1875 - 1988 (Teil 3) von Hans Waldburger/SEAK, Zürich |
Betriebsgeschehen |
Angaben in Kürze über die AB |
Betriebsgeschehen Der Betrieb wurde gegen Jahresende 1874 organisiert. Auch wenn man sich grundsätzlich an die Organisation der anderen Bahnen hielt, wurden nach Möglichkeit aber Vereinfachungen vorgenommen. Um "widerwärtige Rechtsconfusionen" auf der Station Winkeln zu vermeiden, übernahm die AB das Polizeireglement der VSB unverändert. Die Züge verkehrten grundsätzlich von Herisau aus. Erschwerend für den Betrieb wirkte sich die Stichlinie ins Dorf Herisau aus, die von den Zügen zweimal zu befahren war und die Fahrzeit entsprechend verlängerte.
Mit der Verlängerung nach Appenzell begannen die Übernachtungen der Züge samt Personal auf der neuen Endstation. Man geht nicht fehl in der Annahme, dass die Zeit vom letzten Abend- bis zum Morgenzug nicht immer tugendhaft im Dienstbett verbracht wurde. Später gab es dann sogar zwei von vier Touren, die in Appenzell übernachteten. Dabei blieb es sogar noch im elektrischen Zeitalter. Von der Fusion bis zur Einführung des kondukteurlosen Betriebes übernachtete noch weiterhin eine Herisauer Mannschaft auf der "neuen" Endstation Wasserauen. Seit 1949 fahren die Züge etwa zu 2/3 von Herisau und einem 1/3 von Appenzell aus; seit 1962 gibt es auch Züge von der SGA her. Eigenes Stationspersonal der (ehemaligen) AB war seit jeher ausser in Appenzell nur auf den eigenen Unterwegsstationen tätig. In Gossau erfolgt der Dienst durch die SBB, in Herisau durch die BT. Die früher alltägliche Zugsabfertigung und der Rangierdienst durch deren Personal gehört weitgehend der Vergangenheit an. Einzig das Streckenstellwerk der AB ist an das Fernsteuerzentrum der BT in Herisau angeschlossen. Kommerzieller Schwerpunkt ist heute der Bahnhof Appenzell. Die übrigen Stationen sind heute dauernd oder saisonal unbesetzt oder sind zu "Bahnshops" verwandelt. |
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Alpviehtransport Gais - Urnäsch mit ABe 4/4 44 und SGA-Wagen am 4. Mai 1973 bei Gonten. Im Gegensatz zu früher waren nun mehr als 3 Wagen mit GF-Kupplung zulässig und dank einheitlicher Oerlikon-Bremse auch einfacher zu fahren, als zu Zeiten der Klose-Bremse. Bild: Alfred Aebi |
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ABe 4/4 43 mit stattlichem Rollbockzug in der Murbachkurve bei Sulzbrunn (Waldstatt - Zürchersmühle) am 23. April 1979 kurz nach Aufnahme des Rollbockbetriebes. Bild: Alfred Aebi |
Bild: Hans Waldburger |
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Der Güterumlad wickelte sich naturgemäss zunächst In Winkeln ab, nach 1910 vor allem für die aus Richtung Toggenburg eintreffenden Sendungen auch in Herisau; ab 1913 hauptsächlich in Gossau. Vereinzelte Güter- und Viehsendungen kamen früher von Altstätten SBB über Gais oder ab SGA-Stationen. Heute beschränkt sich der Warenverkehr auf Wagenladungen in Normalspurwagen, die in Gossau auf Rollböcke übergehen. Neue oder verkaufte Fahrzeuge werden heute für das ganze AB-Netz in Gossau umgeladen, nachdem in St.Gallen und Altstätten keine direkt an die SBB anschliessende Gleisanlagen mehr vorhanden sind. |
Bild: Hans Waldburger |
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Beim Bau gab es keine tödlichen Unfälle, wohl aber ein paar Ungeschicke. So entlief ein teilweise beladener Güterwagen "pfeilschnell" nach der Station Winkeln, ohne dass grösserer Schaden entstand. Durch heftige Gewitterregen wurden nicht nur während der Bauperiode, sondern auch in den ersten Betriebsjahren Dammrutschungen ausgelöst, was beispielsweise 1876 zwischen Winkeln und Herisau zu einem Betriebsunterbruch vom 10. Juni bis 16. Juli und zwischen Herisau und Urnäsch vom 10. bis 30. Juni führte. Als Ersatz mussten "ausserordentliche Postkurse" geführt werden. Der Betriebsunterbruch zu Beginn der ertragsstarken Sommersaison musste damals auf fast allen ostschweizerischen Bahnlinien verkraftet werden. |
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Die Murbachkurve zwischen Waldstatt und der Dienststation Sulzbrunn bereitete der AB wegen Rutschungen häufig Kummer, wogegen Eisenbahnlichtbildner ihre Freude daran haben. Die "Sonntagsausflügler-Komposition" mit den Säntisbahnwagen 31 - 35 am 30. August 1979. Bild: Alfred Aebi |
In der Nacht 1./2. September 1881 ereigneten sich zwischen Saien und Zürchersmühle und unterhalb Urnäsch zwei je etwa 40 m lange Erdrutsche, so dass der Betrieb Saien Urnäsch während fast einem Vierteljahr bis 7. November unterbrochen blieb. Auch an anderen Stellen entstanden weitere kleinere Rutschungen. Solche Störungen ereigneten sich bis in die neuere Zeit immer wieder. Die unvollkommene Anlage war Anlass für häufige Zwischenfälle, vor allem Entgleisungen. Offenbar aus diesem Grund senkte man 1885 die Ein- und Ausfahr- sowie Rangiergeschwindigkeit in Herisau auf Schrittgeschwindigkeit. Das Zugpersonal hatte auf "die Pufferstellung der langen Wagen" zu achten und dem Maschinenpersonal wurde das "Wasserziehen" während dem Rangieren verboten, weil sonst die Signalpfiffe des Zugs- und Rangierpersonals überhört würden. "Schnelles Abstossen von Wagen ins Kornhausgleis ist untersagt". |
Ehemaliger und "Noch-Dieseltriebwagen" beisammen am 16. Oktober 1967 in Appenzell. Der ABDm 2/4 56 neigt sich leicht gegen seinen Bruder ABDe 2/4 48, weil er anstelle des bei einer Entgleisung beschädigten Drehgestell, auf Diplory abgestellt ist. Bild: Hans Waldburger |
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| Ein schwerer Zwischenfall ereignete sich 1909, als die Lokomotive
G3/3 4 des Morgenzuges von Appenzell mit zwei Schotterwagen ins Schelmentöbeli (hinter
der heutigen AB-Werkstätte in Herisau) stürzte. Zur Bergung musste sie weitgehend
demontiert und mit einer improvisierten Seilbahn geborgen werden. Dieselbe Maschine war
bei ihrem mietweisen Einsatz in den Jahren 1890/91 Opfer eines Zusammenstosses auf der
Landquart Davos-Bahn geworden, worauf sich die VSB-Werkstätte Rorschach ihrer
Instandstellung annahm. Das Lokomotivpersonal wurde schwer verletzt.
Auf verschiedene Umstände waren das Überfahren von Fahrgästen (beim Auf- und Abspringen) und von Drittpersonen zurückzuführen. Oft wurden Bahnübergänge unvorsichtig betreten oder geschlossene Barrieren ignoriert. Ein am 23.6.1936 auf der Überführung Hundwilerstrasse liegender Soldat wurde vom zweiten Drehgestell des Motorwagens erfasst und auf die Strasse hinuntergeworfen, wo er tot liegen blieb.
Von 1945 wird die irrtümliche Fahrt eines Zuges in die Wagenhalle Urnäsch infolge falscher Weichenstellung vermeldet. Pantograph, Motorwagen und ein Personenwagen dieses Zuges und ein in der Halle stehender Schotterwagen wurden beschädigt, ebenso das Hallendach. Nach dem Eintreffen des Dieseltriebwagens mit dem Hilfswagen wurden Manöver ausgeführt, wobei nochmals ein Güterwagen entgleiste. Ob infolge Aufschneidens einer falsch stehenden Weiche oder einem Defekt daran liess sich nicht mehr feststellen. Am Dieseltriebwagen und am Güterwagen wurden die Puffer gekrümmt. Wegen Defekten an den bis in die neuere Zeit hinein handbedienten Weichen, Gleisverwerfungen, Ladeverschiebungen, Achsbrüchen an den teils über hundert Jahre alten Wagen kam es immer wieder zu teils gravierenden Entgleisungen. Bis in die neueste Zeit hinein blieb die AB von eigentlichen Zugszusammenstössen verschont. Ein solcher ereignete sich erst kurz vor dem Jubiläumsjahr, als ein irrtümlich aus dem Bahnhof Herisau ausfahrender Zug beim Mühlebühltunnel mit dem von Wilen kommenden Gegenzug kollidierte. |
| Pendelzug
mit ABt 62 und BDe 4/4 47 kriecht am 25. Juni 1976 aus dem vorübergehend als
Baustellenumfahrung dienenden Mühlebühl-Strassentunnel in Herisau. Bild: Alfred Aebi/Sammlung Waldburger |
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Am 12. Februar 1984 präsentierte sich der Steuerwagen ABt 62 in Wasserauen leicht lädiert. Der berüchtigte "Laseyer"-Sturmwind hatte ihn kurzerhand umgeworfen. Bild: Hans Waldburger |
Naturgewalten haben der AB häufig zugesetzt. Immer wieder kam es zur Rutschungen, Murgängen und Überschwemmungen. In der Region Wasserauen hat ein besonders heimtückischer Sturmwind, der "Laseyer", mehrmals Wagen umgeworfen, darunter sogar den Steuerwagen 62. Sturmwind "Lothar" hatte über den Jahreswechsel 1999/2000 vor allem zwischen Gossau und Herisau einen längeren Unterbruch zur Folge. Auf der Strecke Winkeln bzw. Gossau Herisau wurde der Nachfrage entsprechend stets ein verstärkter Fahrplan angeboten, um sowohl Richtung St.Gallen und Winterthur geeignete Anschlüsse herstellen zu können. 1876 liest man dazu: "Die VSB konnte noch nicht dafür gewonnen werden, die Kreuzung ihrer Züge nach Winkeln zu verlegen, dadurch "wird die Feststellung eines zweckmässigen Fahrplanes für die sich zwischen Winkeln und Herisau bewegenden Züge sehr schwierig" Zwischen
Winkeln und Herisau verkehrten zehn Zugspaare, Herisau Urnäsch deren vier.
Vor allem im Winter verkehrten einzelne Züge auch nur bis Urnäsch, vor allem nachdem die Konkurrenzbahn über Gais den Verkehr des Innerrhoder Hauptort an sich zog. Solange die AB die Zweiglinie zum alten Bahnhof Herisau bedienen musste war die Regel, dass die Züge die Strecke dorthin doppelt befuhren, nur vereinzelt konnte an der "Wechselstation" umgestiegen werden, um den Umweg ins Dorf hinauf zu vermeiden. Auf Grund von Sparmassnahmen verkehrten im Winter 1882/1883 nur gerade drei Zugspaare Herisau Urnäsch. Ähnliche Massnahmen wurden um 1919 nötig, als die AB die Kohlenlieferungen nicht mehr bezahlen konnte und deshalb zwischen Urnäsch und Appenzell nur gerade noch zwei Zugspaare zu führen in der Lage war. In den letzten Jahren vor der Elektrifikation verkehrten zehn durchgehende Zugspaare über die ganze Strecke; zwischen Herisau und Gossau je sechs Lokalzüge. An Sonntagen vor allem im Hochsommer waren es einige mehr. Das Angebot war also nur im Winter wesentlich besser als fast fünfzig Jahre früher! Der Aufenthalt in Herisau variierte zwischen zwei und 46 Minuten; die Umsteigezeit von und nach Wasserauen betrug zwischen zwei und gut zwanzig Minuten. Teils problematisch waren die Anschlüsse von und nach Gais und weiter. Nach der Fusion gab es auch Züge, die nur auf der ehemaligen AWW-Strecke verkehrten, beispielsweise für die Mittagsheimkehrer. Zeitweise verkehrten vereinzelte Züge beispielsweise nur auf der Strecke Gossau Waldstatt oder Jakobsbad - Appenzell. Seit 1962 gibt es durchlaufende Züge St.Gallen Wasserauen St.Gallen, darunter zeitweise der letzte Abendzug aus dem Schwendetal. Etliche Jahre um 1980 herum gab es auch durchlaufende Züge Urnäsch oder Jakobsbad Gais St.Gallen. |
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Die beiden Dieseltriebwagen BCFm2/4 25 und 26 im Jahre 1929 vor dem Bahnhof Herisau der BT im Urzustand von 1910. Wagen 25 wurde 1956 zum elektrischen Triebwagen ABDe2/4 46 (später 48) umgebaut, der aber im Gegensatz zum inzwischen in den Originalzustand zurückverwandelten Bruder schon längst abgebrochen ist. Bild: MFO/Sammlung Waldburger |
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Bild: E. Gfeller/Sammlung Waldburger |
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Bunt gemischter AB-Zug beim "Alten Zoll" vor Herisau am 15. August 1962. Hinter dem ABe 4/4 43 folgt der Buffetwagen B 10, dann die B 11, 2 und 12, der D² 75 (ehemals Solothurn-Zollikofen-Bern Bahn) und der damals neueste Personenwagen B4ü 8. Bild: Gerd Wolff/Sammlung Waldburger |
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Entlastungszug 848 am 18. Juni 1967 bei der Einfahrt in Urnäsch aus Richtung Appenzell. Hinter dem ABe 4/4 42 (heute im Misox) folgen die B 23, 8, 22, 26 und 25. Bild: Hans Waldburger |
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Bild: Hans Waldburger |
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AB-Pendelzug
Steuerwagen ABt 61 und Triebwagen BDe 4/4 46 beim SBB-Unterwerk Gossau am 17. November
1981. Links im Hintergrund ein typisches Gebäude von Architekt Johannes Waldburger (nicht
mit unserem Autor verwandt), wie man sie im Appenzeller Land vielerorts sieht. Bild: Hans Waldburger |
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Pendelzug von 1949 mit BDZt 60, B 8, ABe 4/4 44 und Z 4 (ehemals Lausanne-Echallens-Bercher) am 29. November 1985 zwischen Jakobsbad und Urnäsch. Bild: Hans Waldburger |
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Der im Sommerfahrplan mit einem Pendelzug geführte Mittagszug 44 präsentierte sich am 17. Februar 1981 in Herisau bunt gemischt mit ABe 4/4 43, Z³ 90, DZt 65 und dem SGA K 201. Bild: Hans Waldburger |
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Die AB hat ihren Fahrplan weitgehend den SBB-Taktfahrplan angepasst. Die Fahrplanverdichtungen haben die früher legendären bis über halbstündigen Aufenthalte in Herisau überflüssig gemacht; zur Freude der die ganze Strecke benützenden Fahrgäste, jedoch zum Nachteil des Bahnhofbuffets, wo noch vor dreissig Jahren Personal und Stammkunden beispielsweise zwischen 13.30 und 14.10 die Wartezeit des Zuges 44 jassend verbrachten. In den Randstunden sowie für schwach besetzte Kurzstreckenzüge Herisau Gossau werden zeitweise Bahnersatzbusse eingesetzt. Die kleinen Stationen und Haltestellen Wilen, Zürchersmühle, Jakobsbad, Gontenbad, Steinegg und Schwende wurden sukzessive zu Haltestellen auf Verlangen umgestellt. Im Winter werden die Sporthaltestellen Bömmeli und Alpsteinblick während der Betriebszeit der Skilifte bedient. Auf der AWW-Strecke gab es eine ganze Anzahl nur lokal bekannte Bedarfshaltestelle. Zeitweise gab es auch Ansätze, auf der Dienststation Sulzbrunn sowie beim Bahnübergang Mooshalde auf Verlangen anzuhalten. Am Landsgemeindetag (letzter Aprilsonntag der ungeraden Jahre) wurde zur Verkürzung des Fussmarsches nach Hundwil jeweils an der Mooshalde angehalten. Die "Säntisbahn" wies ausser während den ersten Jahren des Krieges 1914 1918 stets einen sehr reichlichen Fahrplan auf, denn man bemühte sich, auf AB und ASt/SGA gute Anschlüsse anzubieten. Ausser in Weissbad gab es meist auch einzelne Zugskreuzungen in Steinegg und Schwende, was etwas beschwerlich wurde, wenn dort Güterwagen zum Auslad abgestellt waren. Der vor allem im Winter fast ausschliessliche Betrieb mit Einmannwagen gab dann Anlass zur Konzentration der Kreuzungen in Weissbad. Nach der Fusion galt dies von vereinzelten Dienstzügen abgesehen, stets. |
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CH-Zürich |