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125 Jahre Rorschach - Heiden-Bergbahn (RHB) (Teil 3)

von Hans Waldburger/SEAK, Zürich


Betriebsgeschehen

Betrieb und Verkehr
Fahrplan
Fremdfahrzeuge und Durchläufe
Betriebsstörungen und Unfälle

 


Angaben in Kürze über die RHB


Geschichte


Personelles


Finanzen


Bauten und Anlagen


Rollmaterial


Betrieb und Verkehr

Von den rund 73'000 Fahrgästen pro 1876 entfielen allein je etwa 10'00 auf die Monate Juli und August; in den Wintermonaten war der Verkehr minim.

Ab 1. September 1877 verkehrten die RHB-Lokomotiven durchgehend bis und ab Rorschach Hafen, was eine Änderung des Gemeinschaftsvertrages bedingte.

Güterwagen nach der RHB wurden durch die VSB nach der "Bergstation" verbracht, wofür die RHB Gebühren zu entrichten hatte. Die zulässige Fahrgeschwindigkeit Heiden – Wienacht betrug 12 km/h, Wienacht – Bergstation 10 km/h, auf der Adhäsionsstrecke 14 km/h

Die Kontrollingenieure beanstandeten 1888 plötzlich die seit der Eröffnung übliche Zugsbelastung, was möglicherweise eine Folge des Unglücks auf der ARB 1885 war. Die Dienstreglemente wurden 1891 überarbeitet. Das Zugsgewicht durfte nunmehr nur noch maximal 42 t betragen, wobei talwärts mit Vmax 8 km/h gefahren werden sollte. Die Zugskompositonenen sollten stets aus einem der beiden Doppelstock-Wagen 1 oder 2 bestehen (mit Postabteil und Dampfbremse). Bei Zügen mit drei oder mehr Personenwagen mussten alle Handbremsen ausg. an Wagen 1 oder 2 besetzt sein. Als Höchstgeschwindigkeit war nun auf 90 o/oo berg- und talwärts 10 km/h, bei geringerer Steigung 12 km/h zulässig, auf der Adhäsionsstrecke merkwürdigerweise nur noch 13 km/h. Als Zugfolge war eine Distanz von 500 m, ausnahmsweise 400 m vorgesehen.

In Heiden war eine Gleissperre, die nur für die Zugs- oder Lokomotivdurchfahrt geöffnet werden durfte. In Rorschach und Heiden wurden die Zugsabfahrten 5 Minuten vorher durch zwei Glockenschläge und Aufrufen zum Einsteigen angekündigt. Der Abfahrbefehl des Zugführers wurde mittels Dampfpfeife abgegeben, um zu kontrollieren, ob Signalleine und Pfeife in Ordnung seien.

Das Eisenbahn-Departement rügte 1898, dass Zugsbelastungen von 50 t vorkamen, derweil nach Reglement 42 t zulässig waren. Nur die neue Lokomotive 4 wurde für 50 t zugelassen.

Mit dem Güterwagenverband wurde 1901 ein Übereinkommen getroffen, wonach nur "Güterwagen mit betriebssicheren Bremsen" nach der RHB eingesetzt werden können.

Bis zum ersten Weltkrieg konzentrierte sich der Personenverkehr stark auf die Sommersaison Juli und August, in denen in den Jahren um 1900 je rund 17'500 Reisende verzeichnet wurden, in den Wintermonate dagegen nur gut 4000 Reisende. Der Güterverkehr war vor allem im Frühjahr und im Herbst stark, im Winter schwächer. Aber selbst noch 1929 war der Verkehr in den Sommermonaten bis zu drei Mal grösser als im Winter.

Der Kontrollingenieur schlug 1917 Bremshütten anstelle der Bremssitze auf dem Wagendach für die an der Spitze laufenden Wagen vor, um das Zugpersonal vor Wind und Wetter zu schützen. Er konstatierte, dass an der Spitze Güterwagen ohne Plattform mitgeführt werden und der Zugführer ab Bergstation die Billettkontrolle durchführte, so dass niemand die Strecke überwachte. Die RHB wollte nichts ändern mit der Begründung "Das wurde schon immer so gemacht". Das Departement unterliess indessen eine Mahnung wegen geringer Geschwindigkeit, wenig Zugfahrten und abgelegener Lage der Strecke, umsomehr als Güterwagen bergwärts nur bei Tag mitgeführt wurden.

1954 verlangte die Aufsichtsbehörde kategorisch die Ausrüstung aller Personenwagen mit Bremszahnrädern. Es sollten zumindest einmal die Wagen 9 (UeBB), 14 und 15 (Seetaler) mit Bremszahnrädern ausgerüstet werden.

Für die mit Bremszahnrädern ausgerüsteten, jedoch nur handgebremsten Sommerwagen 3 – 7 wurde der ausnahmsweise Einsatz mit einem Bremser pro 2 – 3 Wagen erlaubt. Das Eidg. Amt für Verkehr forderte die RHB auf, in Zukunft nur noch Personenwagen mit luftgebremsten Bremszahnrädern anzuschaffen. BCFeh2/4 23 durfte nur einen mit Fahrgästen besetzten Wagen ohne Bremszahnrad mitführen. Von diesen rigorosen Vorgaben kam man aber bald wieder ab.

Die Steintransporte, die ab 1898 grösseren Umfang annahmen, waren sicher die bemerkenswertesten betrieblichen Vorgänge in der RHB-Geschichte. 1899 verkehrten 795 Güterextrazüge (Vorjahr 516, in den Jahren zuvor rund 120), 1900 waren es gar 991, also jeden Werktag durchschnittlich deren vier. Dabei gab es aber Spitzen während der Bausaison. Damit war die Spitze aber fast erreicht. 1904 verkehrten nur noch 94 Güterextrazüge; 1907 war mit 1084 Güterextrazüge absolute Spitze. Bemerkenswert sind noch die 456 Güterextrazüge des Kriegsjahres 1916.


RHB-Güterzug

Vor 30 Jahren alltäglich - heute fast verschwunden; Güterwagen auf der Rorschach-Heiden-Bergbahn.

Bild: Alfred Aebi/Sammlung Waldburger


Im Oktober 1930 verkehrten letztmals Reiseextrazüge mit Dampftraktion. In den folgenden Jahren wurden die "Choli" vor allem noch für Dienst- und Arbeitszüge eingesetzt. Im trockenen Sommer 1947 wurden sie wegen des Strommangels zum letzten Mal verwendet.

Die zulässige Zugsbelastung auf der Talfahrt wurde 1998 auf Weisung des Bundesamtes für Verkehr von 115 auf 65 t reduziert. Da der Güterverkehr, der in den Jahren um 1960 durch die Übernahme von Steintransporten für Strassenbauten und später mit den Getreidetransporten hatte erheblich gesteigert werden können, nun zur Bedeutungslosigkeit sank, macht diese Beschränkung keine grosse Mühe. Die Zahl der als Wagenladungen beförderten Gütertonnen sank 1990 erstmals unter 1000 Tonnen. Der Cargo-Domizil-Dienst wurde 1994 aufgehoben.

Wegen Austritten beim Fahrpersonal wurde auf den Fahrplanwechsel 1996 die "Fahrgastselbst-Kontrolle" eingeführt. Es wurden Versuche mit einer Fernsehkamera für die Streckenüberwachung vom Führerstand aus gemacht, die erfolgreich verliefen.


Fahrplan

In den ersten Jahrzehnten waren drei bis vier Zugspaare als Grundfahrplan die Regel; während der Saison oder an bestimmten Wochentagen verkehrten zusätzliche Züge. Die Bahn ersuchte 1879 mit einer Eingabe an den Bundesrat, den Artikel 12 der Konzession dahin zu ändern, dass im Winter nur noch zwei Zugspaare geführt werden müssten. Auf Betreiben der Gemeinde Heiden mit Unterstützung des Kantons Appenzell AR wurde das Gesuch abgelehnt.

Der Fahrplan 1899 umfasste ein Zugspaar Heiden – Rorschach Bahnhof und deren fünf bis Rorschach Hafen, davon drei Zugspaare saisonal. 12 fakultative Zugspaare Bergstation – Steinbruch und eine Lokleerfahrt Heiden – Bergstation – Heiden dienten dem Steintransport..

1904 erfolgte die Einführung eines Frühzugspaares. Während der Saison wurde ferner ein neues Abendzugpaar geführt, was den Einsatz einer zweiten Lokomotive nötig machte.

1913 vor Kriegsausbruch verkehrten sieben Zugspaare ganzjährig, ein weiteres im Juli und August. Der Kriegsfahrplan von 1914 umfasste fünf Zugspaare.

1917 musste der Fahrplan wegen des Kohlenmangels auf behördliche Weisung hin in mehreren Schritten eingeschränkt werden. Während der Winterfahrplan 1916/1917 noch sechs Zugspaare vorsah, musste ab Februar 1917 eines wegfallen. Bei den weiteren Einschränkungen blieb es aber bei der RHB bei fünf Zugspaaren.

Ab 1. März 1918 konnten nur noch drei Zugspaare geführt werden. Die nächste Einschränkung ab 1. Dezember 1918 konnte keine weitere Reduktion der für die Abwicklung des lebensnotwendigen Verkehrs nötigen drei Zugspaare mehr bringen. Dagegen brachte diese fünfte Einschränkung "die unliebsame und einschneidende Überraschung der gänzlichen Einstellung des gesamten Personenverkehrs an Sonn- und allgemeinen Feiertagen".

Der Plakatfahrplan hatte Weltformat, der RHB-Fahrplan selbst umfasste aber nur kleine Felder. Den Rest beanspruchten die Anschlüsse von Basel über drei Wege (denn noch war die RHB-Direktion in Basel beheimatet), nicht aber von und nach Bern oder Luzern, Winterthur usw., dazu div. Bodensee-Schiffstationen und die ersten Autokurse ab Heiden

Bis zu Elektrifikation waren sechs Zugspaare die Regel, doch gab es jetzt im Gegensatz zu den Anfangsjahren einen nur an Wintersonntagen verkehrenden Sportzug!

Mit der elektrischen Traktion konnte die Fahrzeit um einen Drittel gekürzt werden.

Es verkehrten acht Zugspaare ganzjährig und zwei temporär. Die Fahrzeit Rorschach Bahnhof – Heiden betrug 28 Minuten, Talfahrt 25 Minuten

Für die Besucher der Landesausstellung 1939 in Zürich wurde an Sonntagabenden ein zusätzlicher Spätzug mit Ankunft in Heiden um 01.15 Uhr geführt. Nach Kriegsausbruch wurde zunächst der Kriegsfahrplan mit sechs Zugspaaren, ab 8. Oktober ein etwas reduzierter Zivilfahrplan mit 7 – 8 Zugspaaren geführt.

1980 verkehrten Montag – Freitag 13 Zugspaare, davon drei nur bis Rorschach Bahnhof, an Samstagen/Sonn- und Feiertagen ebenfalls 13 Zugspaare (mit einen Spät- anstelle des Frühzuges, zwei nur bis/ab Rorschach Bahnhof).

Die Einführung des Taktfahrplanes der SBB brachte der RHB 1982 Nachteile, insbesondere auch wegen des weitgehenden Wegfalles der durchgehenden Schnellzüge aus der Westschweiz nach Rorschach. Der Fahrplan wurde bestmöglich angepasst.

Heute verkehren täglich 14 Zugspaare einheitlich bis und ab Rorschach Hafen.

Vereinigter RHB-Zug am 12. August 1965 auf der Fahrt von Rorschach Bahnhof zum Hafen. Es wird offenbar eine grössere Anzahl deutscher Ausflügler erwartet.

Bild: Alfred Aebi/Sammlung Waldburger


RHB-Personenzug

 

Einsatz fremder Fahrzeuge, Wagen- und Zugsdurchläufe

Die Wahl der Normalspur brachte den Vorteil, dass - mit gewissen Einschränkungen - Personen- und Güterwagen anderer Bahnen auf die RHB übergehen konnten. 1876 wurde mit der NOB ein Vertrag über die Überlassung von NOB-Güterwagen und der über deren Linie eintreffenden Wagen abgeschlossen. Der RHB wurde ein Pauschalpreis von 1 Franken für Wagen nach Wienachten und 2 Franken nach Heiden verrechnet, ein für die damalige Zeit stattlicher Preis.

Ab 1970 durften auch die SBB-Vierachser auf der RHB verkehren. Am 25. April 1970 kamen für die Beförderung einer grossen Reisegruppe zusätzlich zu den RHB-Wagen zwei SBB-Einheitswagen I zum Einsatz.

Bild: Hans Waldburger


RHB ABDeh 2/4 24, AB² 13 und SBB B


1878 auserkor man den einen der drei Gepäckwagen der RHB zum Durchlauf von Heiden nach St.Gallen als sogenannter "Botenwagen". Damit konnten die von den Heimarbeitern bearbeiteten Stickereien ohne Umlad in die Stammhäuser dieser damals in Hochblüte stehenden Industrie befördert werden.


SBB A 50 85 10-73 058-5

Hochzeits-Extrazug mit SBB-Einheitswagen IV am 19. Mai 1984 in Heiden. Für den 1. Klasse-Wagen A 50 85 10-73 058-5 sicher ein spezielles Erlebnis.

Bild: Hans Waldburger


Über weitere aussergewöhnliche Fahrzeugeinsätze im ersten halben Jahrhundert schweigen sich die Berichte aus. Erst 1930 werden erstmals Fahrleistungen von SBB-Personenwagen auf der RHB erwähnt. Zeitweise gab es dann Wagendurchläufe, vor allem zwischen Konstanz/Kreuzlingen und Heiden, wofür dann die RHB 1942 zwei ehemalige Seetal-Personenwagen erwarb, die verbesserten Komfort gegenüber den bis anhin eingesetzten Zweiachsern boten. Später gab es nur noch sporadisch durchlaufende Personenwagen, so verkehrten 1957 aus Anlass der Eröffnung des neuen Kursaals Heiden direkte SBB-Personenwagen Herisau – Heiden und 1972 für die Teilnehmer der Europäischen Fahrplankonferenz zwei moderne Wagen der Bodensee – Toggenburg-Bahn von St.Gallen nach Heiden. In neuerer Zeit gab es immer wieder einmal solche Intermezzi, so mit Wagen des "Amorexpress"-Dampfzuges der BT oder sogar einem EW-IV-Intercity-Erstklasswagens für eine Hochzeitsgesellschaft. Nicht auf Anhieb gelingen wollte ein direkter Zug von Schruns im Montafon nach Heiden. Beim ersten Versuch waren die Radreifen des MBS-Pendelzuges zu stark abgelaufen, so dass der Schienenräumer mit der Zahnstange in Koflikt geriet. Der quirlige Betriebsleiter der Montafoner-Bahn Karl Zwirchmayr liess nicht locker. So kam mit dem zweiten Versuch erstmals ein fremdes elektrisches Triebfahrzeug nach Heiden, wenn auch unter Mithilfe eines RHB-Triebwagens.

 

Eine Probefahrt wurde 1984 mit dem fabrikneuen Dieseltraktor Em 2/2 103 der Bremgarten – Dietikon-Bahn unternommen, mit dem das Befahren der 90-Promille-Strecke in reiner Adhäsion versucht wurde. Ing. Kniele der Firma Stadler und BLS-Traktionschef-Stellvertreter Dr. Hans Schlunegger leiteten die Versuche. Nun ist eine Zahnradbahn zu diesem Zweck wenig geeignet, denn die Schienen sind vom Zahnradantrieb meist ölverschmiert, was zu geringerem Verschleiss beiträgt. Der rote BD-Traktor reagierte auf die Ölflecken mit nervösem Schleudern, manchmal ging es drei Meter aufwärts und fünf zurück. RHB-Direktor Jakob Schlegel ging stirnrunzelnd hinter dem Versuchsobjekt her und addierte laufend die voraussichtlichen Kosten für das Aufschweissen der Dellen in den Schienen. Etwas oberhalb der heutigen Haltestelle Seebleiche wurde die Übung nach kaum 200 Meter Fahrt abgebrochen und der Dieseltraktor von einem RHB-Triebwagen wieder in weniger steile Gefilde verbracht.


BD Em 2/2 103
Weit ging sie nicht - diese Versuchsfahrt am 16. Mai 1984 des Em 2/2 103 der Bremgarten - Dietikon - Bahn (BD). Kräftemässig hätte die 90‰-Rampe keine Probleme geboten, doch mit der Adhäsion wollte es nicht klappen.

Triebwagen ABDeh 2/4 24 hilft der BD-Diesellok zurück in weniger steile Gefilde. Davor der RHB-Direktor Schlegel beim Zählen der Schleifspuren in den Schienen.
BD Em 2/2 103 & RHB ABDeh 2/4 24

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bilder: Hans Waldburger

 

Alltäglich war bis vor einigen Jahren das Verkehren von zweiachsigen Güterwagen auf der RHB. 1969 bewilligte das Amt für Verkehr nach dem Gleisumbau das Verkehren von SBB-Vierachswagen und von Güterwagen mit 20 t Achsdruck. Relativ häufig kamen dann Vierachser, vor allem die französischen Getreidesilowagen nach Heiden, wobei für die Bergfahrt jeweils Doppeltraktion erforderlich war. Inzwischen ist der Güterverkehr auf ein Minimum geschrumpft.

Stattlicher RHB-Güterzug mit DZeh 2/4 21, AB² 12 und 5 SBB-Güterwagen am 30. April 1973 zwischen den heutigen Haltestellen Sandbüchel und Seebleiche.

Bild: Hans Waldburger


RHB DZeh 2/4 21 mit AB² 12


Fahrzeuge der RHB verkehren wegen ihrer speziellen Ausrüstung normalerweise nur auf der Strecke bis nach Rorschach Hafen, wo die Zugsicherungsmagnete speziell flach gebaut sind, damit die Zahnräder nicht streifen. Für Ausflüge auf andere Strecken müssen entweder die Bremszahnräder demontiert oder RHB-Wagen ohne Zahnradbremse eingesetzt werden. Die RHB-Sommerwagen verkehrten anlässlich des 150-Jahr-Jubiläum der Schweizer Bahnen im Bahnhof St.Gallen, wobei zwei davon bei einer Entgleisung beschädigt wurden. Grössere Unterhaltsarbeiten werden häufig bei der BT in Herisau ausgeführt.

Mühsam gestaltete sich die Überfuhr des 1953 bei SLM in Winterthur erbauten Triebwagens Nr. 23. Bei jedem Zugsicherungsmagnet mussten eine Art "Überfahrtbrücken" auf die Schienen gelegt werden, damit die Achsen mit den Zahnrädern etwas angehoben wurden.


Betriebsstörungen und Unfälle

Betriebsstörungen durch Naturgewalten sind bei der RHB nicht ganz selten. Oberhalb Wartensee und zwischen Wienacht-Tobel und Schwendi durchfährt sie Rutschgebiete; verschiedenenorts haben teils unscheinbare Bäche immer wieder einmal Schäden angerichtet, so insbesondere durch den in einem Durchlass unter dem grossen Damm zwischen Schwendi und Heiden verlaufenden Mattenbach. Mit den an diesem Bachlauf beteiligten Kantonen und Gemeinden ergaben sich immer wieder einmal Differenzen über die Kostentragung für die Verbauungen.

Schon am 17. Januar 1876 wurde die Linie durch einen Dammrutsch im "Schlipf" unterbrochen, so dass der letzte Zug nicht mehr durchfahren und nach Schwendi zurückkehren musste. Der Güterverkehr nach Heiden musste eingestellt werden. Bis zur Wiederaufnahme des durchgehenden Betriebes am 1. März verkehrte nur an Mittwoch und Samstag ein Zugspaar zwischen Schwendi und Rorschach.

Von 1888 wird berichtet: Wegen der schlechten Witterung traten laufend Erdrutsche auf, was fast den ganzen Sommer "eine eigene Abtheilung Arbeiter" mit Instandstellungsarbeiten beschäftigte.

Ebenfalls wasserbedingt sind gelegentliche Sperrungen der Strecke nach dem Hafenbahnhof bei Hochwasser des Bodensees. Die Dampflokomotiven und die alten hochbeinigen SBB-Lokomotiven befuhren die Strecke aber immer wieder mal, wenn von den Gleisanlagen längst nichts mehr zu sehen war, so dass Anschlusszüge für die RHB in Marsch gesetzt werden konnten. Mit den RHB- und modernen SBB-Triebfahrzeugen mit tiefliegenden Motoren ist dies nicht möglich. Als Ersatz für den Hafenbahnhof steht nun die neue Haltestelle Rorschach Stadt an der höherliegenden St.Gallerlinie zur Verfügung.

Sturm und Schneelast führen hin und wieder zu Störungen des elektrischen Bahnbetriebes der RHB, die auf weite Strecke durch Waldgebiet verkehrt.

Auch von Bränden blieb die RHB nicht ganz verschont. So brannte 1906 ein Teils des (damaligen) Depots Heiden; das beim Wiederaufbau wenigstens äusserlich etwas schöner ausgeführt wurde; mangels Platz konnte keine Vergrösserung vorgenommen werden. 1972 brannte der Lagerschuppen neben der Werkstätte ab und musste ersetzt werden.

Störungen an Triebfahrzeugen kommen heute im Vergleich zur Dampfzeit, als Achs-, Schubstangen- und Kurbelwellenbrüche zu verzeichnen waren, wesentlich weniger vor.

Bei Streckenunterbrüchen werden die Fahrgäste seit vielen Jahren durch RHB-eigenes Personal mit Kleinbussen befördert. Bei grösserem Andrang werden wie früher üblich Postautos eingesetzt.


RHB DZeh 2/4

RHB-DZeh 2/4 "durcheilt" am 5. Oktober 1970 im 20km/h-Tempo den SBB-Bahnhof Rorschach. Dazwischen eingereiht, die beiden wenig später an die Metallwerke Dornach verkauften B² 10 und 11. Beachtenswert auch die im Vordergrund stehende SBB-Rangierlok Ee 3/3. Längst sind die Lokomotiven dieser Serie mit dem wenig schmeichelhaften Spitznamen "Halbschuh" den Weg des alten Eisen gegangen.

Bild: Alfred Aebi/Sammlung Waldburger


Kollisionen kamen vor allem im Bahnhof Rorschach, der noch sehr lange nur mit Handweichen und lokalen Weichenwärterposten auskommen musste, hin und wieder vor, wobei RHB-Fahrzeuge verschiedentlich massiv beschädigt wurden. Auf der eigenen Strecke gab es in 125 Jahren nur einen grösseren Unfall, als am 5. August 1945 der einfahrende Zug 151 mit sieben Wagen (3 – 7 und 10) in Heiden infolge falscher Weichenstellung mit einem Entlastungszug im Nebengleis kollidierte. Dabei wurde die Wagen 4 – 6 stark beschädigt, 22 Personen leicht und 7 Reisende schwerer verletzt. Der Kondukteur des Entlastungszuges hatte die Weiche vergessen zurückzustellen; die beiden Angestellten an der Zugsspitze übersahen die falsche Weichenstellung. Dank der raschen Hilfe des nahen Bezirksspitals konnten die Verletzten rasch geborgen werden.

Ein weiterer Unfall bewies, dass die Züge der RHB durchaus genügene Bremsen aufweisen, auch wenn nicht alle Wagen mit Bremszahnrädern versehen sind. 1931 erlitt der FZeh2/4 21 auf der Bergfahrt bei km 2,2 unterhalb der Station Schwendi mit den Wagen BC 13, BC 8, C 3, C 7 und C 5 Kurzschluss in einem Motor infolge schlechter Wicklung, worauf die Kupplung des BC 8 brach und am BC 13 hängen blieb. Die Wagengruppe fuhr noch ca 2 m bergwärts und wurde dann von der Luftbremse des BC 8 (nur Adhäsion) so gut gebremst, dass beim Zurücklaufen kein Zusammenstoss mit der stillstehenden Komposition 21/13 entstand. Zwei Reisende wurden leicht verletzt.


RHB ABDeh 2/4 24 mit B 14

Im Güterbahnhof Heiden steht am 19. Mai 1984 die Reservekomposition mit dem Triebwagen ABDeh 2/4 24 und Wagen B 14. Hier geschah 1945 der Zugszusammenstoss.

Bild: Hans Waldburger


Im März 1959 entliefen aus dem Anschlussgleis Starrag Güterwagen und prallten auf den rangierenden Zug, wobei der B² 11 beschädigt wurde.

1912 stürzte Bahnmeister Jakob Reich auf seiner Diensttour abends zwischen Wienachten und Schwendi und blieb bewusstlos im Gleis liegen und wurde dann von einem Güterzug überfahren. Die Hinterbliebenen erhielten eine Entschädigung von 10'000 Franken. 1937 ereignete sich ein tödlicher Unfall durch Überfahren eines Fahrgastes, der in Rorschach Hafen aus dem seeseitigen Pissoir kommend noch auf den abfahrenden Abendzug der RHB aufspringen wollte

Bei der Behebung einer durch einen Kurzschluss verursachten Störung erlitt 1942 ein Angestellter einen Unfall, der schwere Verbrennungen zur Folge hatte. Ein Angestellter kam 1958 bei Reinigungsarbeiten an einem Fahrleitungsmast mit der Spannung in Berührung und blieb ein halbes Jahr arbeitsunfähig.

 

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