125 Jahre Rorschach - Heiden-Bergbahn (RHB) (Teil 4) von Hans Waldburger/SEAK, Zürich |
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Finanzen |
Angaben in Kürze über die RHB |
Das Gründungskapital betrug total Fr. 2,2 Millionen. Nur dank des Saldovortrages aus der Rechnung 1875 konnten 1876 die Obligationszinse vollständig bezahlt werden. Die Gemeinde Heiden musste auf Grund der von ihr auf sechs Jahre übernommenen Zinsgarantie noch Fr. 1500 übernehmen. Das schlechte Ergebnis wurde dem Streckenunterbruch durch die Rutschungen und den Nacharbeiten zur Vollendung des Bahnbaues zugeschrieben. Wegen des krisenbedingten Verkehrsrückgang konnte das Obligationenkapital nicht verzinst werden. Die Ausgaben mussten auf das Nötigste beschränkt werden. Dank besserer Gewöhnung des Personals an Lokomotiven und Bahn und die Einführung einer Kohlensparprämie gingen die Ausgaben für das Brennmaterial um etwa 11% zurück. Die Einnahmen sollten gemäss den seinerzeitigen Voraussagen im Projekt Riggenbach/Zschokke von 1874 "als mit aller Vorsicht ermittelten, nach allgemein als sehr mässig beurtheilten Verkehrsziffern" 220'000 Franken erreichen. 1877 betrugen die Einnahmen jedoch nur 95'000 Franken. Die Gemeinde Heiden lehnte eine finanzielle Hilfe mit Hinweis "auf das grosse Opfer der Aktienbeteiligung" ab. Sie lehnte aber auch Betriebseinschränkungen wie Einstellung des Winterbetriebes entschieden ab. Nebst der Krise führte das schlechte Wetter in der zweiten Jahreshälfte zu "diesem ruinösem Resultat". Die "Aargauische Creditanstalt" als Obligationeninhaberin stellte im August 1878 ein Liquidationsbegehren, das an einer rasch einberufenen Obligationärsversammlung zum Glück zurückgezogen wurde. Dies mit der Bedingung, dass das Gesuch um Einstellung des Winterbetriebes erneut gestellt werde und die noch vorhandenen Fondsgelder für die Rückzahlung verfallener Obligationszinsen verwendet würden. Da dem Verwaltungsrat gar keine andere Wahl blieb, bezahlte die Gesellschaft im September zunächst einmal 10 Franken für die auf 25 Franken lautenden Coupons. Die alten Zinsschulden wurden 1879, da eine Nachzahlung unmöglich erschien, abgeschrieben. |
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RHB geht fremd - wenn auch nur eine Station weit zum Abholen der Belegschaft von Sais in Horn am 4. September 1981. Als Zuglok amtet die SBB-Lokomotive Ae 3/6' 10644. Zweieinhalb Jahre später, am 29. Februar 1984, wurde die Maschine nach beinahe 60 Dienstjahren ausrangiert. Bild: Hans Waldburger |
Das gute Ergebnis von 1885 hätte zur vollständigen Verzinsung der Obligationen ausgereicht, wenn nicht die Ausgaben für die neue Lokomotivremise in Heiden dazugekommen wären. Da die Obligationenanleihe nach zehn Jahren Laufzeit zur Rückzahlung fällen gewesen wären, wurden die Inhaber eingeladen, einen neuen Vertrag zur Verlängerung der Laufzeit abzuschliessen, da die nötigen Mittel für die Rückzahlung fehlten. Zur finanziellen Sanierung wurde 1889 der Nominalwert der Aktien von 500 auf 400 Franken herabgesetzt, womit das Gesellschaftskapital um 280'000 Franken reduziert wurde. Damit konnte der Passivsaldo in einen Aktivsaldo verwandelt werden und es wurden zusätzliche Abschreibungen von 44'000 Franken möglich. Ab 1890 verbesserte sich der Verkehrsertrag, insbesondere im Güterverkehr. Es konnte 1899 neben der Verzinsung der Obligationen noch eine Einlage in den Erneuerungsfonds von 43'000 Franken gemacht werden, der bis 1884 ungenügend und dann bis 1895 überhaupt nicht gespeist wurde. Ein Inhaber von Obligationen 2. Ranges prozessierte deswegen gegen die RHB. Der Prozess wurde 1902 zugunsten des Klägers entschieden, jedoch verzichteten die übrigen Obligationeninhaber auf Nachforderungen. 1903 konnte erstmals eine Dividende (3% für die Aktien 1. Ranges) ausgeschüttet werden. Im weiteren wurden der Kranken-Unterstützungskasse der Angestellten 6000 Franken und neben der ordentlichen Einlage von 15'000 zusätzliche Fr. 5'000 dem Erneuerungsfonds zugewiesen. Die Dividende konnte 1904 auf 3 ½%, 1905 gar auf 4% angehoben werden. Im weiteren wurden die Fonds und die Krankenkasse zusätzlich gespeist. Die Revisoren sprachen sich für 3½%, die Generalversammlung für 4% aus. 1908 musste ein Rückgang sowohl des Personen- wie des Güterverkehrs infolge geschäftlicher Depression hingenommen werden. Der Tierverkehr litt unter der seuchenbedingten Sperre. Aber trotz des Verkehrsrückganges wurden 4¼% Dividende für die Aktien 1. Ranges beantragt und dann von der Generalversammlung sogar noch auf 4½% erhöht. Bis 1914 blieben 4½% Dividende Standard, dazu wurden die Fonds weiterhin gespeist. |
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Der Zug 349 brachte jeweils die Stückgüterwagen von Rorschach nach Heiden hinauf. Am 11. August 1959 setzt sich FZeh 2/4 22 hinter den Zug mit AB² 12, B² 10 und 2 K² der SBB. Bild: Hans Waldburger |
Dank der Elektrifikation nahm die Benützung der RHB trotz der Krise zu, dagegen musste im Güterverkehr ein weiterer Rückgang hingenommen werden, so dass das finanzielle Ergebnis nahezu unverändert blieb. Es konnte wiederum nur die Hypothek 1. Ranges verzinst werden. Die Krise wirkte sich nun sehr ausgeprägt aus, dazu waren die Witterungsverhältnisse sehr ungünstig. Die RHB sah sich deshalb 1931 gezwungen, um Stundung der Verzinsung der 1. Hypothek nachzusuchen. Ebensowenig konnte das Elektrifikationsdarlehen verzinst werden. Am 20. Juni 1932 fand eine Gläubigerversammlung statt, die dem Antrag der RHB zustimmte, es sei der Zins für die Obligationen 1. Hypothek vom Betriebsergebnis abhängig zu erklären und bis Ende 1936 kumulativ zu stunden. Da der Betriebsüberschuss 1936 nur noch 4309 Franken betrug, konnten keinerlei Zinszahlungen mehr erfolgen. Mit den Elektrifikationsgläubigern konnte ein neues Abkommen getroffen werden, so dass die Einstellung des Zinses auf diesem Darlehen in die Gewinn- und Verlustrechnung nicht mehr erforderlich ist. Das Obligationenkapital wurde gemäss Beschluss der Gläubigerversammlung vom 8. Februar 1937 in Aktien umgewandelt. Am gleichen Tag fand eine Versammlung der Elektrifikations-Gläubiger statt, die dem Erlass der Zinsen 1931 1935 zustimmte und sich mit dem Bundesratsbeschluss vom 10.11.1936, wonach der Reinertrag zuerst für die Einlagen in den Erneuerungsfonds zu verwenden sei, einverstanden erklärte. An der ausserordentlichen Aktionärsversammlung, ebenfalls am gleichen Tag, stimmten die Aktionäre der Umwandlung des bisherigen Aktienkapitals in Stammaktien und deren Abschreibung von 400 auf 50 Franken zu. Aus Fr. 400'000 Stammaktien (Aktien 2. Ranges) und Fr. 720'000 Prioritätsaktien (Aktien 1. Ranges) entstanden damit Aktien von Fr. 140'000 (Abschreibung Fr. 980'000). Bei der SLM Winterthur bestand noch immer eine Schuld von Fr. 35'300. Dank dem spürbar belebten Güterverkehr (dank Requisition der Lastwagen durch das Militär) und dem früh einsetzenden Wintersportverkehr konnte 1939 trotz des schlechten Sommerwetters ein höherer Betriebsüberschuss erzielt werden, so dass neben der Einlage in den Erneuerungsfonds und einer Rückzahlung von Fr. 10'000 an die SLM das Elektrifikationsdarlehen wenigstens mit 1% verzinst werden konnte. Dank des guten Ergebnisses konnte in den Kriegs- und ersten Nachkriegsjahren trotz dem Ansteigen der Personalkosten nebst der Verzinsung und Amortisation des Elektrifikationsdarlehens verschiedene Einlagen in die verschiedene Fonds und für den Einkauf in die Pensionskasse Ascoop getätigt werden. Ab 1949 konnte allerdings die Amortisation des Elektrifikationsdarlehens nicht mehr vollständig erfolgen. |
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RHB-Pendelzug mit Triebwagen ABDeh 2/4 und Steuerwagen Bt 31 am 20. September 1997 im Hafenbahnhof Rorschach. Bild: Hans Waldburger |
| An die Kosten von Fr. 653'885 für den neuen
Triebwagen leisteten der Bund, die beiden Kantone und die Gemeinden Heiden, Rorschach und
Gemeinde Lutzenberg Subventionen. Der Kanton St.Gallen und die drei Gemeinden verzichteten
ferner auf einen Teil des Elektrifikations-Darlehens. Trotz den Leistungen des Bundes auf Grund des neuen Eisenbahngesetzes von 1957 mussten die Zahlungen für das Elektrifikationsdarlehen wiederum zurückgestellt werden, da umfangreiche Gleiserneuerungsarbeiten unaufschiebbar wurden. Am 25. Mai 1961 wurde ein Gesuch um finanzielle Hilfe für technische Verbesserungen wie Erneuerung von Gleisanlage und Anschaffung eines weiteren Triebfahrzeuges eingereicht. Bereits am 12. Juli legte das zuständige Departement einen Vereinbarungsentwurf für diese Hilfe in der Höhe von 1,2 Millionen Franken vor. Da die RHB nachträgliche Änderungen wünschte, wurde die Unterzeichnung verzögert. Die Einnahmen aus dem Güterverkehr machten um 1970 einen Drittel der Einnahmen aus, 1961 waren es noch nur ein Fünftel gewesen. Dies war möglich geworden durch die Erhöhung der zulässigen Achslast von 20 Tonnen (vorher 16 Tonnen). Der Wagenladungsverkehr ging ab 1983 wegens Fehlens der Getreidetransporte zurück. Inzwischen ist der Güterverkehr endgültig zur Bedeutungslosigkeit geworden (noch 565 t). Nachdem Bundesrat Leuenberger die Vereinbarung für die Finanzierung des neuen Gelenktriebwagen unterzeichnet hatte, konnte 1996 die Bestellung bei Stadler in Bussnang unterzeichnet werden. |
| Neustes Fahrzeug bei
der RHB ist der BDeh 3/6 25 aus dem Hause Stadler Fahrzeuge, Bussnang. 1998 wurde der 33m
lange Doppel-Triebwagen übernommen. Am 25. September 2000 fährt er als Zug 649 von
Heiden nach Rorschach Hafen. Bild: Rolf Benz |
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Kommerzielles Die RHB wollte auf die Eröffnung hin für die Strecke "Bergstation" "St.Scholastika" Rorschach Hafen eigene Taxen erheben, wogegen beide Kantone Einspruch erhoben; es sollten die normalen VSB-Taxen berechnet werden. Das Eisenbahn- und Handelsdepartement hielt die RHB 1876 dazu an, direkte Tarife nach den wichtigeren Stationen einzurichten. Es wurden solche nach Stationen der VSB, NOB, Toggenburger- und Appenzellerbahn eingerichtet. Schon 1877 wurde das Gesuch um Konzessionsänderung zwecks Erhöhung der Taxen um 30% gestellt. Dagegen entstand heftige Opposition vor allem seitens der Gemeinde Heiden. 1878 konnte mit dem direkten Personen- und Gepäckverkehr ab Lindau nach der RHB ein erster internationaler Tarif in Kraft gesetzt werden. Ein analoges Gesuch an die württembergischen Bahnen um Aufnahme des direkten Verkehrs nach der RHB wurde 1879 erneut abschlägig beantwortet. Da man sich über den Nutzen nicht im Klaren war, wurde 1881 von weiterer Ausdehnung des direkten Verkehrs Umgang genommen. Der Betriebschef bemühte sich seit Jahren persönlich, den Güterverkehr nach Heiden auf die RHB (statt mit Fuhrwerken von Rheineck her) zu bringen. 1886 trat sie verschiedenen Spezialtarifen für den Güterverkehr mit, wobei allerdings die fünf Kilometer lange RHB-Strecke mit nicht weniger als 60 Tarifkilometern eingesetzt wurde. 1887 wurde die direkte Gepäckabfertigung nach allen schweizerischen Normalbahnen eingeführt. 1888 war es endlich soweit, dass mit der Postverwaltung auf Wunsch der Gemeinde Heiden ein Vertrag über die Postbeförderung abgeschlossen werden konnte. (bis anhin brachten die Postkutschen die Postsachen schön gemütlich nach Heiden). An den dadurch nötigen Umbau von zwei Personenwagen trug die Postverwaltung durch die Übernahme der Hälfte der Kosten bei. Seit 1969 wickelt die Post ihre Transporte wieder auf der Strasse ab St.Gallen ab. |
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Grosskomposition der RHB mit ABDeh 2/4 23 und AB² 13, dahinter die nach Horn durchlaufenden B 10, B 11, B 14 und B² 9 am 4. September 1981 bei der Einfahrt in Rorschach. Bild: Hans Waldburger |
Jahrzehnte nach Eröffnung der Rheineck Walzenhausen-Bahn und der Schiffahrt Rorschach Rheineck kam man 1968 endlich auf die Idee, Rundfahrtbillette für die Rundfahrt Rorschach Rheineck Walzenhausen Heiden Rorschach und umgekehrt zu schaffen, die grossen Anklang fanden. Infolge Streichung der seit Menschengedenken geführten Lokalzüge der SBB nach Rorschach Hafen 1993 wurden die RHB-Züge vermehrt benützt, ohne dass Mehreinnahmen resultiert hätten. Von Juli bis Ende Jahr benützten rund 22'000 Personen die RHB-Züge ohne Nachzahlung nur von Rorschach nach Rorschach Hafen. 1996 wurde die "Selbstkontrolle" ohne Zugbegleiter eingeführt. Die Stichkontrollen wurden den Appenzeller Bahnen übertragen. Es wurden auf allen Stationen und Haltestellen Billettautomaten installiert. |
Gemischter RHB-Zug am 17. Juni im Jubiläumsjahr 1975. Der "Seetaler" B 14 zwischen dem Triebwagen und den Sommerwagen, wurde zum 100Jahr-Jubiläum von Schulklassen bunt bemalt. Bild: Hans Waldburger |
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| Werbung
Die RHB ergriff 1877 die Initiative zur gemeinsamen Herausgabe eines Prospektes über den Kurort Heiden und die Bahn, der in deutscher, französischer und englischer Sprache in 25'000 Exemplaren durch Orell-Füssli in Zürich hergestellt und vertrieben wurde. Den Text schrieb "Director Heinrich Szadrowsky in Rorschach". Der Plakatfahrplan stellte während Jahrzehnten neben Einträgen in Reiseführern usw. das gängigste Werbemittel dar. Um 1950 wurde in jedem Geschäftsbericht auf die "persönliche Werbung bei den Unternehmen im süddeutschen Raum" durch Direktor Keller hingewiesen. Die Werbung wurde um 1960 intensiviert, vor allem durch Gemeinschaftswerbung mit verschiedenen Verkehrsvereinen und benachbarten Transportunternehmen. Es wurde ein neuer Prospekt geschaffen. Nachdem das durch Einführung des IGB-Schaltergerätes mögliche erweiterte Angebot der Station Heiden 1992 mittels Prospekten im ganzen Einzugsgebiet bekanntgemacht war, stieg der Umsatz um nahezu 50%. |
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© 2000 by Hans Waldburger/SEAK,
CH-Zürich |