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GTW 2/6 - eine moderne doppelte "Rowan-Komposition" als "Low Cost - Low Floor - Light Rail Vehicle" (Teil IV)

von Hans Streiff, SEAK, Dipl. El.-Ing. ETHZ, CH-Nussbaumen

Antriebseinheit und Leistungselektronik
Hilfsbetriebe
Komforteinrichtungen
Energieversorgung
Traktionsleitelektronik und Steuerungseinrichtungen
Sicherheitseinrichtungen
Fahrgast-Informationen
Innenausstattung und Disposition der Antriebs- und Hilfsbetriebeausrüstung

Inbetriebsetzungen
Literaturangaben

Fahrzeug-Hauptdaten

Nachfrage nach schienengebundenen Leichttriebwagen
Niederflur-Doppelgelenktriebwagen GTW 2/6
Historische Vorgänger

Verbreitung und Hersteller
Ausführungsbeispiele

Wagenbauliche Teile
Fahrwerke
Fahrzeugkupplungseinrichtungen
Elektrisches Antriebssystem

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Antriebseinheit und Leistungselektronik

Wegen der einheitlichen Reserveteilhaltung für bereits bestehende Triebfahrzeuge besitzen die mit Gleichstrom betriebenen Meterspur-Doppelgelenktriebwagen wassergekühlte Ventilsätze mit GTO-Schaltelementen ("Gate-turn-off"-, d.h. abschaltbare Thyristoren). In zwei Ventilsätzen erzeugen total drei Phasenbausteine aus der Gleichspannung die für die Drehstromfahrmotoren benötigte veränderlichen Dreiphasenwechselspannung bei variabler Speisefrequenz, währenddem ein vierter Phasenbaustein in gleicher Funktion als Bremssteller bei allfälligem Widerstandsbremsbetrieb sowie alternativ als Momentanüberspannungsbegrenzer unter Mitbenützung des Bremswiderstandes dient. Der Antriebsstromrichter speist die beiden vierpoligen, fremdbelüfteten Fahrmotoren ab gemeinsamer Sammelschiene. Mit der Wahl von GTO-Phasenbausteinen im Antriebsumrichter liegt -- obwohl bereits mit Wasser- statt Ölkühlung ausgestattet -- für Neubau-Triebfahrzeuge eine der letzten Anwendungen der für das Baukonzept "Lokomotive 2000" entwickelten modularen Umrichtergeneration vor.

Bei den erstmals für Einphasenwechselstrombetrieb vorgesehenen Normalspur-Doppelgelenktriebwagen kommen Umrichter aus der zukunftsgerichteten, höchsten Anforderungen genügenden MPC-Produktefamilie ("Modul Power Converter") mit IGBT-Schaltelementen ("Insulated Gate Bipolar Transistor", abschaltbarer Leistungstransistor) zur Anwendung. Der modular aufgebaute Umrichter mit wirksamer Wasserkühlung setzt sich aus sieben Phasenbausteinen und einem Momentanüberspannungsbegrenzer (MUB) zusammen. Letzterer schützt den Umrichter bei aussergewöhnlichen Schaltungsabläufen und entlädt die im Kondensator geladene Zwischenkreisenergie über einen MUB-Widerstand. Von den sieben Phasenbausteinen übernehmen drei die Erzeugung der veränderlichen Dreiphasenwechselspannung bei variabler Speisefrequenz für den Drehstromantrieb, die restlichen vier bilden den Netzstromrichter mit der zweiphasigen Anschaltung der beiden Transformator-Sekundärwicklungen an den Gleichspannungs-Zwischenkreis. Der gesamte Umrichter befindet sich zusammen mit Zwischenkreis- und Saugkreis-Kondensatoren in einem Stromrichterblock. Die Saugkreisdrosselspule ist im Transformatorkessel untergebracht. Der Antriebsstromrichter speist die beiden sechspoligen, mantelbelüfteten Fahrmotoren ab gemeinsamer Sammelschiene.

Bei den für dieselelektrischen Betrieb vorgesehenen Normalspur-Triebwagen, deren Antriebseinheit sich im Wesentlichen auf den dreiphasigen Antriebswechselrichter beschränkt, enthalten die Ventilsätze luftgekühlte ICDN-Schaltelemente mit gleichen Schaltfunktionen wie die wassergekühlten IGBT-Elemente. Wie beim Gleichstrom-Triebwagen erzeugen total drei Phasenbausteine aus der Gleichspannung die für die Drehstromfahrmotoren benötigte veränderlichen Dreiphasenwechselspannung bei variabler Speisefrequenz, währenddem ein vierter Phasenbaustein in gleicher Funktion als Bremssteller beim Widerstandsbremsbetrieb sowie alternativ als Momentanüberspannungsbegrenzer unter Mitbenützung des Bremswiderstandes dient.

 

Motorwagen des ABe 526 der MThBMotorwagen zum Doppelgelenktriebwagen ABe 526 der MThB mit Blick auf die "Umrichterseite" bei entfernten Seitenwandverschalungen. Das Apparategerüst in der Mitte ist Teil des Stromrichterblockes mit der rückseitigen Abdeckung der Starkstromverbindungen. Links unten befindet sich die Fahrzeugbatterie (auf einem Auszug); darüber ist der Hilfsbetriebeblock angeordnet. Den rechten Teil nimmt der Kühlturm ein.

Foto: ABB Archiv

Hilfsbetriebe

Obwohl ein kostengünstiges Fahrzeugkonzept für den GTW 2/6 anzustreben war, sind Hilfsbetriebe in einer sehr kompakten Bauweise zur Unterstützung der Antriebseinheit unumgänglich. Bei den elektrischen Triebwagen zählen dazu folgende Komponenten:

  • Ein Lüfteraggregat mit Antrieb durch Drehstrom-Asynchronmotor zur seriellen Belüftung des Kühlturmes mit Wasser-/Luftwärmetauscher des Umrichters und Öl-/Luftwärmetauscher des Transformators (nur bei Einphasenwechselstrom-Triebwagen), der Drosselspule zum Eingangsfilter (nur bei Gleichstrom-Triebwagen), der Drosselspule zum Bordnetzumrichter und der Fahrmotoren, ferner durch einen Nebenluftstrom zur Belüftung des Bordnetzumrichters mit zugehörigem Filter sowie des Kompressors. Die Widerstände für die alternative Widerstandsbremsung bei den Gleichstrom-Triebwagen sowie bei den dieselelektrischen Normalspur-Triebwagen sind natürlich gekühlt.

  • Eine Kühlwasserpumpe mit Antrieb durch Drehstrom-Asynchronmotor für die Wasserkühlung der Phasenbausteine des Umrichters.

  • Ein Lüfter mit Antrieb durch Drehstrom-Asynchronmotor für die Umrichter-Belüftung.

  • Eine Kühlölpumpe mit Antrieb durch Drehstrom-Asynchronmotor für den Transformator (nur bei Einphasenwechselstrom-Triebwagen).

  • Ein Schraubenverdichter Bauart Hydrovane-TB 2 bei den Meterspur- bzw.Bauart Mahle-MSK-07/10 bei den Normalspur-Triebwagen mit Antrieb durch Drehstrom-Asynchronmotor zur Versorgung aller pneumatischer Einrichtungen.

Die Versorgung der Hilfsbetriebemaschinen sowie der Komforteinrichtungen mit Drehstrom von 3 x 400 Volt bei einer festen Frequenz von 50 Hertz sowie die Batterieladung mit Gleichstrom von 42 Volt ist einem Bordnetzumrichter übertragen. Dieser liefert mittels eines wassergekühlten IGBT-Wechselrichters und eines Ausgangsfilters eine sinusförmige Dreiphasenspannung. Zur Kostenoptimierung findet keine Veränderung der Lüfterdrehzahl durch Spannungs- und Frequenzregelung am Bordnetzumrichter-Ausgang statt. Die in den Stützwagen angespeisten Komforteinrichtungen sowie die Batterieladung sind über Isoliertransformatoren mit dem Bordnetz des Motorwagens verbunden. Bei den Normalspur-Doppelgelenktriebwagen speist der Bordnetzumrichter die Drehstrom-Sammelschiene für 400 Volt / 50 Hertz zur Versorgung von Lüftungs- und Klimaanlagen in Steuerwagen über die Vielfachsteuerkupplung. Der Lüfter entnimmt die Lühlluft dem Dachraum des Motorwagens, der mit geeigneten Lufteintrittsfiltern bestückt ist.

Bei den dieselelektrischen Triebwagen umfassen die Hilfsbetriebe die nachstehenden Komponenten:

  • Ein Lüfteraggregat mit stufenlos geregeltem hydrostatischem Antrieb zur Belüftung des Kühlturmes für die Wärmetauscher zur Ladeluftkühlung und für das Motorkühlwasser.
  • Ein Lüfter mit stufenlos geregeltem hydrostatischem Antrieb zur Belüftung der Fahrmotoren
  • Ein Vorwärmgerät.
  • Ein Schraubenverdichter mit hydrostatischem Antrieb für Ein-Aus-Betrieb.
  • Ein Beleuchtungsgenerator für 28 Volt Gleichspannung mit Antrieb durch den Dieselmotor, vorgesehen für die Batterieladung und für die Versorgung des 24-Volt-Bordnetzes (Beleuchtungs-, Steuer- und Leitelektronik-Stromkreise).

 

Motorwagen Be 2/6 der BTIMotorwagen zum Doppelgelenktriebwagen Be 2/6 der BTI mit Blick auf die "Hilfsbetriebeseite" bei entfernten Seitenwandverschalungen. Im linken Teil ist das Kompressoraggregat (auf einem Auszug) mit zugehörigen pneumatischen Einrichtungen erkennbar, in der Mitte der Kühlturm und die Eingangsdrosselpule, im rechtenTeil der Bordnetzumrichter und darunter die Fahrzeugbatterie (auf einem Auszug).

Foto: ABB Archiv

Komforteinrichtungen

Die Komforteinrichtungen in den Stützwagen sind für den Führerraum und das Reisendenabteil unterschiedlich gehalten. Als ständig belegter Arbeitsplatz wird die Luft des Führerraumes durch eine kompakte Vollklimaanlage Bauart Hagenuk-Faiveley nach den Wünschen des Fahrers konditioniert. Für die Heizperiode ergänzen Konvektionsheizkörper die Klimaanlage. Im Gegensatz dazu stehen die Reisendenabteile unter der Einwirkung eines rechnergesteuerten Luftaufbereitungsaggregates, das auf dem Wagendach aufgesetzt ist und je nach Temperaturverhältnisse und Fahrzeugeinsatz im Frischluft-, Mischluft- oder Umluftbetrieb läuft. Mit je zwei Motorlüftern, Umluftklappen und Heizregistern lässt sich, obwohl der Fahrgastraum durch keinerlei Abteiltüren geteilt ist, eine raumselektive Luftaufbereitung erreichen. Diese kann wünschbar sein, weil der in Abteilmitte befindliche Einstiegsbereich mit einem eigenen Warmluftvorhang abgeschirmt wird. Die Luftaufbereitung wird während der Heizperiode durch Konvektionsheizkörper unterstützt. Bei den dieselelektrischen Normalspur-Triebwagen ist das Luftaufbereitungsaggregat um eine Kühleinrichtung erweitert, womit die Reisendenabteile ebenfalls vollklimatisiert sind. Die Lüftermotoren zusammen mit den Heizregistern sowie die Führerraum-Frontscheibenheizung sind an das 400 Volt / 50 Hertz-Bordnetz angeschlossen. Die Heizkörper liegen an der Zugsammelschiene.

 

Energieversorgung

Die Energieversorgung der Antriebs- und Bordnetzstromkreise von der Fahrleitung aus direkt mit der Netzgleichspannung erfolgt bei den Gleichstrom-Doppelgelenktriebwagen über einen Einholm-Stromabnehmer und den als Fahrzeug-Schutzschalter dienenden Gleichstromschnellschalter. Die Antriebsstromkreise haben einen eigenen als Linienschütz wirkenden Hauptschalter. Bei den Wechselstrom-Doppelgelenktriebwagen übernimmt der Transformator, dessen Primärwicklung über den als Hauptschalter wirkenden Vakkumschnellschalter und den Einholm-Stromabnehmer an der Einphasenwechselstrom-Fahrleitung liegt, die spannungsgerechte Energieversorgung der einzelnen Verbraucher. Von den fünf unabhängigen Sekundärwicklungen sind zwei mit den vier Phasenbausteinen des Netzstromrichters der Antriebseinheit verbunden, je eine weitere speist den Bordnetzumrichter zur Versorgung der Hilfsbetriebe, der Komforteinrichtungen und die dreiphasige Zugsammelschiene sowie einen Filterkreis zur Störstrombegrenzung und die fünfte, über Erdungsbürsten an Masse liegende, speist die einphasige Zugsammelschiene für die Mitführung von Steuer- und Beiwagen. Im Ölkessel des mit künstlicher Ölumwälzung und -kühlung versehenen Transformators befindet sich auch die den Netzstromrichter unterstützende Saugkreis-Drosselspule. Da sowohl auf der MThB-Strecke Wil - Kreuzlingen als auch auf der von den SBB an die MThB abgetretenen Strecke Schaffhausen - Romanshorn und weiter bis Rorschach die Fahrleitungsanlagen mit den nach DB-Norm gebauten Stromabnehmern befahrbar sind, tragen die Einholm-Stromabnehmer der Normalspur-Triebwagen eine 1950 mm breite Flachfederwippe, die bei Einsatz auf SBB- und BT-Strecken gegen eine SBB-Wippe auszutauschen ist.

 

Motorwagen des ABe 526 der MThBMotorwagen zum Doppelgelenktriebwagen ABe 526 der MThB mit Blick auf die "Transformatorseite" bei entfernten Seitenwandverschalungen. In der Mitte steht der Ölkessel für den Transformator und die Glättungsdrosslspule. Links davon sind das Kompressoraggregat (auf einem Auszug), die Pneumatiktafel und Vorratsluftbehälter untergebracht. Der verbleibende Raum rechts nimmt den Steuerstromblock mit Fahrzeugleitgerät auf.

Foto: ABB Archiv

Beim dieselelektrischen Antrieb liefert ein aufgeladener, 12-zylindriger Viertakt-Dieselmotor in V-Anordnung mit Ladeluftkühlung Typ 12 V 183 TD 13 aus der Baureihe der MTU die Antriebs- und Bordnetzenergie. Der für eine Dauerleistung von 540 Kilowatt bei einer Drehzahl von 2100 Umdrehungen/Minute ausgelegte, wassergekühlte Dieselmotor treibt einen bürstenlosen Drehstrom-Synchron-Generator an, der mit einem Flansch direkt mit dem Dieselmotor gekuppelt ist. Die gesamte Dieselmotor-Generator-Gruppe lässt sich als Block durch die Seitenwandklappen des Motorwagens ein- und ausbauen. Eine dreiphasige, ungesteuerte Gleichrichterbrücke verbindet den Drehstrom-Generator mit dem Gleichspannungs-Zwischenkreis. Der Dieselmotor treibt mechanisch den daran angebauten Beleuchtungsgenerator für das 24-Volt-Bordnetz sowie über eine Kupplungswelle die geregelte Hydrostatikpumpe für den hydrostatischen Antrieb der Hilfsbetriebe an. Eine Blei-Akkumulatoren-Starterbatterie mit einer Nennkapazität von 420 Ampèrestunden ist in der Lage, die Diesel-Generatorgruppe elektrisch zu starten, aber auch bei stehender Gruppe die Energieversorgung des 24-Volt-Bordnetzes zu übernehmen.

 

Motorwagen des VT 509 der HLBMotorwagen zum Doppelgelenktriebwagen VT 509 der HLB auf Montagelaufwerk mit Blick auf die "Motorseite" bei geöffneten Seitenwandklappen. Direkt dahinter befindet sich die Diesel-Generatorgruppe mit dazwischenliegendem Turbolader. Links oben die Kühlluftzufuhr vom Eintrittsgitter des Dachraumes zum Generator, in der Mitte die Ansaugfilter für die Verbrennungsluft und rechts die Rohrleitungen zum Ladeluftkühler. Hinter den entfrernten Luftaustrittsgittern der Kühlturm mit den Wärmetauschern für Ladeluftkühlung und Motorkühlwasser.

Foto: ABB Archiv

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