Service  Infos zu den Schweizerischen Bundesbahnen   Allerlei zu Schweizer Strassen- & Privatbahnen   Viel Wissenswertes über die Schweizer Schienenwelt

GTW 2/6 - eine moderne doppelte "Rowan-Komposition" als "Low Cost - Low Floor - Light Rail Vehicle" (Teil VI)

von Hans Streiff, SEAK, Dipl. El.-Ing. ETHZ, CH-Nussbaumen

Fahrgast-Informationen
Innenausstattung und Disposition der Antriebs- und Hilfsbetriebeausrüstung

Inbetriebsetzungen
Literaturangaben

Fahrzeug-Hauptdaten

Nachfrage nach schienengebundenen Leichttriebwagen
Niederflur-Doppelgelenktriebwagen GTW 2/6
Historische Vorgänger

Verbreitung und Hersteller
Ausführungsbeispiele

Wagenbauliche Teile
Fahrwerke
Fahrzeugkupplungseinrichtungen
Elektrisches Antriebssystem
Antriebseinheit und Leistungselektronik
Hilfsbetriebe
Komforteinrichtungen
Energieversorgung
Traktionsleitelektronik und Steuerungseinrichtungen
Sicherheitseinrichtungen

GTW 2/6 - Teil V (vorherige Seite)
GTW 2/6 - Literaturangaben (nächste Seite)

 

Fahrgastinformations-Einrichtungen

Um dem Informationsbedürfnis und dem Sicherheitsempfinden der Fahrgäste im allein oder im Zugsverband fahrenden Doppelgelenktriebwagen ohne Zugsbegleitung gerecht zu werden, erfuhren die Informationseinrichtungen eine besonders sorgfältige Auslegung. Diese berücksichtigt auch die Unterteilung der Fahrgasträume durch den Längsdurchgang im dazwischen befindlichen Motorwagen.

Zu den optischen Informationseinrichtungen zählen:

  • Stirnseitige und längsseitige Fahrzielanzeiger, die bei Fahrt im Zugsverband fahrzeugselektiv ansteuerbar sind;
  • Doppelanzeiger in den Reisendenabteilen für die Haltestellenanzeige und die "Hält an"-Bestätigung.

Zu den akustischen Informationseinrichtungen zählen:

  • Digitale Haltestellenansage mit wegabhängiger Durchsage-Aufforderung;
  • direkte Mikrofon-Durchsage aus dem Führerraum;
  • Zug-Telefonieverbindung zwischen den Führerräumen;
  • "Informationssprechstellen" auf den Einstiegsplattformen für die Verbindung zwischen Reisenden und dem Fahrzeugführer mit integrierter Notruftaste;
  • Anschlussstellen für externe, fahrzeugselektive Sprechstellen oder Musikanlagen für Gesellschaftsreisen.

Die Informationsanlagen Bauart RAILFOX von Fahel sind auf die Bedienungstafeln in den Führerräumen und eine zentrale Verarbeitungs- und Verbreitungseinheit konzentriert.

 

Fahrgastraum des ABe 526 der MThBStützwagen zum Doppelgelenktriebwagen ABe 526 der MThB mit Blick in den Fahrgastraum und Durchblick durch den mittleren Durchgang des Motorwagens in den zweiten Stützwagen. Gut erkennbar sind die Sitze in "Cantilever-Ausführung" ohne Bodenabstützungen sowie die optische Doppelanzeige für die Fahrgastinformation an der Wagendecke.

Foto: ABB Archiv

Innenausstattung und Disposition der Antriebs- und Hilfsbetriebeausrüstung

Die Führerräume sind durch die Anordnung der Führerpulte und die Kontaktnahme mit den Reisenden auf die Zugsbildung im Regionalverkehr ohne Zugsbegleiter ausgerichtet. Ausser den Informationssprechstellen sollen die Pendeltüren zu den Führerräumen dazu behilflich sein. Die auf dem Führerpult zusammengefassten Bedienungs- und Kontrolleinrichtungen gliedern sich in folgende Funktionsebenen:

Meterspur-Triebwagen für Betrieb mit Gleichstrom (in Angleichung an die Lokomotiven Ge 4/4 8001 - 8004 der MOB, rechtsseitige Bedienung):

  • Bedienebene auf dem Führertisch mit:
    handradbetätigtem Fahrschalter für Charakteristiksteuerung, Fahrrichtungsschalter, Inbetriebsetzungssteuerschalter, Führerbremsschalter und Drucktaster für fahrtabhängige Betätigungen;

  • Bedienebene auf der linken Führertischkonsole mit:
    Steuerelemente für die Zugsteuerung (Türsteuerung, Lichtsteuerung);
    Steuerelemente für Adhäsionsverbesserung;

  • Informationsebene im Führertischaufsatz mit:
    Longscaleinstrumente zur Überwachung der pneumatischen Einrichtungen;
    Profilinstrumente zur Antriebseinheit, nämlich Anzeige der Netzspannung sowie der Zug- und Bremskraft;
    Instrument für Geschwindigkeitsanzeige
    Meldeleuchtenblock für Betriebszustands- und Störungsmeldungen;

  • Informationsebene über linker Führertischkonsole mit:
    Bediengeräte für Fahrgastinformation und Zugbahnfunk;

  • Bedienebene rechts vom Führertisch:
    führerraumbezogene Nebenbetriebe.

 

Normalspur-Triebwagen für Betrieb mit Einphasenwechselstrom (in Angleichung an die NPZ-Triebwagen-Pendelzüge RBDe 560/566 :-: Bt der SBB / MThB, linksseitige Bedienung):

  • Bedienebene auf der rechten Führertischkonsole mit:
    kurbelbetätigter Fahrschalter für Befehlsgebersteuerung, Fahrrichtungsschalter, Inbetriebsetzungsschalter (bei NPZ: Steuerschaltkasten), Dreh-, Kipp- und Drucktaster für Zugsicherung und fahrtabhängige Betätigungen;

  • Bedienebene auf dem mittleren Führertisch mit:
    Leuchttaster für die Zugsteuerung (Türsteuerung, Lichtsteuerung usw.);
    Leuchttaster für Adhäsionsverbesserung;

  • Bedienebene auf der linken Führertischkonsole mit:
    Führerbremsventil;

  • Informationsebene über rechter Führertischkonsole mit:
    Bediengeräte für Zugbahnfunk der MThB und der DB AG;

  • Informationsebene über mittlerem Führertisch:
    Meldeleuchten für Aktivierung des Zugsicherungssystems;
    Instrument für Geschwindigkeitsanzeige;
    Profilinstrumente zur Antriebseinheit, nämlich Anzeige der Netzspannung sowie der Zug- und Bremskraft;
    Meldeleuchtenblock für Betriebszustands- und Störungsmeldungen;

  • Informationsebene über linker Führertischkonsole mit:
    Longscaleinstrumente für pneumatische Einrichtungen.

 

Normalspur-Triebwagen für dieselelektrischen Betrieb mit mittiger Anordnung des Führerpultes weisen im wesentlichen dieselbe Aufteilung wie für Betrieb mit Einphasenwechselstrom auf; allerdings sind Führerbremsschalter und Fahrschalter vertauscht. Die mittige Lage des Führerpultes hängt mit den nach Ideen der DB AG gestalteten Fahrerkabine in GFK-Bauweise mit seitlichem Einzug und den auf Kupplungshöhe heruntergezogenen, aus der Dachschräge auslaufenden Eckbändern.

Die Reisendenabteile der beiden Stützwagen haben gleich grosse offene Grossräume ohne Trennwände mit inneren Schiebetüren. Unmittelbar an den Führerraum anschliessend befindet sich über dem Laufdrehgestell zunächst ein Mittelflur-Sitzabteil von "zwei Fensterlängen". Es folgt die "Niederflurpartie" mit der breiten Einstiegsplattform und beidseitigen Doppel-Schwenkschiebetüren von 1350 mm lichter Weite und dem Sitzabteil von "drei bis fünf Fensterlängen" je nach Fahrzeuggattung mit einer Fensterteilung von 1650 mm (beispielsweise drei bei den Meterspur- und fünf bei den Normalspur-Triebwagen). Die Einstiegshöhe ab Schienenoberkante (SOK) bis zum Niederflurfussboden beträgt bei Normalspur-Fahrzeug 585 mm (bei Normbahnsteighöhen von 550, teilweise auch 350 mm), beim Meterspur-Fahrzeug 370 mm (bei Normbahnsteighöhe von 180 mm). Jeweils ein Sitzabteil direkt neben der Plattform ist zur Hälfte oder ganz als Mehrzweckraum freigehalten, um Reisegepäck, Kinderwagen, Rollstühle oder Fahrräder aufzunehmen, bei starker Besetzung dank Klappsitzen an den Seitenwänden aber auch als Auffangraum zu dienen. An der rückseitigen Abschlusswand neben dem Gelenkübergang lässt sich -- wie beispielsweise beim Normalspur-Triebwagen -- auch eine Kompakt-Toilettenzelle der Bauart Semco-Vakuum-Toilette einbauen. Zur Erleichterung einer wirksamen Innenreinigung weisen die bequemen Compin-Sitze in "Cantilever-Ausführung" -- in "Nahverkehrsverdichtung" zu Zweier- sowie Dreier-Sitzgruppen zusammengefasst -- auf der Gangseite keine Abstützfüsse auf, das heisst, sie sind über Ausleger an das Seitenwandprofil angeflascht. Weitere Merkmale der Innenausstattung sind:

  • Bodenaufbau bestehend aus schwimmendem Fussboden mit aufgeklebtem Sicherheits-Fussbodenbelag in wannenförmiger Gestalt zur Verhinderung des Wassereintrittes;

  • Decke aus abgekanteten Alucobond-Platten mit integriertem Mittenleuchtband für die Aufnahme der Beleuchtungskörper sowie mit beidseitigen Lochbändern für die Frischluftzufuhr aus der Luftaufbereitungsanlage;

  • grossflächige, doppeltverglaste Fenster, teilweise mit zusätzlichem Klappoberteil, mit Wärmeschutzbeschichtung und Sonnenstrahlschutztönung in den Reisendenabteilen, mit Profilgummi rahmenlos in die Seitenwände eingesetzt;

  • durchgehende Frontscheiben aus Verbundsicherheitsglas sowie seitliche Schiebefenster, elektrisch beheizbar, in den Führerräumen.

 

Die Unterbringung der Antriebs- und Hilfsbetriebeausrüstung in den beiden seitlichen Apparateräumen des Motorwagens gliedert sich am Beispiel des Meterspur-Fahrzeuges in folgende Montageeinheiten:

  • "Antriebsseite":
    GTO-Umrichterblock mit Antriebsleitgerät und Starkstromverbindungen zu den unterflur angeordneten Fahrmotoren (Block mit ausziehbaren Phasenmodulen);
    Steuerstromblock;
    Elektronikblock mit Fahrzeugleitgerät und zugelieferte Elektronikgeräte;
    Hilfsbetriebeblock.

  • "Hilfsbetriebeseite":
    Bordnetzumrichter (ausziehbare Einschübe);
    Kühlturm mit Eingangs-Drosselspule und Wasser-/Luftwärmetauscher des Umrichters;
    Kompressorgruppe mit Lufttrockner (auf ausziehbarem Rahmen);
    Pneumatiktafel;
    Batteriekasten (auf ausziehbarem Rahmen);
    Vorratsluftbehälter.

 

Die vergleichbare Gliederung beim Motorwagen des Normalspur-Fahrzeuges ergibt sich wie folgt:

  • "Umrichterseite":
    IGBT-Umrichterblock mit Antriebsleitgerät und Starkstromverbindungen zu den unterflur angeordneten Fahrmotoren (Umrichterblock von der Aussenseite sowie vom mittleren Durchgang zugänglich, mit ausziehbaren Phasenmodulen);
    Hilfsbetriebeblock;
    Kühlturm mit Öl-/Luftwärmetauscher des Transformators und Wasser-
    /Luftwärmetauscher des Umrichters;
    Bordnetzumrichter mit Filter (ausziehbare Einschübe);
    Batteriekasten (auf ausziehbarem Rahmen).

  • "Transformatorseite":
    Transformator mit Glättungs-Drosselspule und Expansionsgefäss;
    Steuerstromblock mit Fahrzeugleitgerät;
    Kompressorgruppe mit Lufttrockner (auf ausziehbarem Rahmen);
    Pneumatiktafel;
    Vorratsluftbehälter.

 

Die vergleichbare Gliederung beim Motorwagen des dieselelektrischen Normalspur-Fahrzeuges ergibt sich wie folgt:

  • "Motorseite":
    Diesel-Generatorgruppe;
    Kühlturm mit Wärmetauscher für Ladeluftkühlung und Motorkühlwasser;
    Vorwärmgerät;
    Hydrostatikpumpe;
    Luftansaug und Luftfilter.

  • "Stromrichterseite":
    ICDN-Antriebwechselrichter mit Antriebsleitgerät und Starkstromverbindungen zu den unterflur angeordneten Fahrmotoren;
    Luftverdichter und Pneumatiktafel;
    Lüfter für Fahrmotoren;
    Starter-Batterie;
    Kraftstoffbehälter und Schalldämpfer.

 

Motorwagen des VT 509 der HLBMotorwagen zum Doppelgelenktriebwagen VT 509 der HLB auf Montagelaufwerk mit Blick auf die "Stromrichterseite" bei geöffneten Seitenwandklappen . In der linken Türföffnung befindet sich das Kompressoraggregat mit dem Hydromotor (auf einem Auszug), darüber die Pneumatiktafel, darunter der Auszug zur Aufnahme der Starterbatterie und daneben die Kontrollklappe zum Brennstoffbehälter. Die weiteren Gerüste sind zur Aufnahme des Antriebspulswechselrichters, der Leitelektronik und des Fahrmotorlüfters vorbereitet.

Foto: Archiv ABB

Inbetriebsetzungen

Nach verschiedenen Versuchs- und Vorführungsfahrten steht der normalspurige Prototyp-GTW 2/6 seit September 1996 zusammen mit zwei weiteren dieselelektrischen Doppelgelenktriebwagen Bm 596 auf der Strecke Radolfzell - Stockach, die von der MThB in einem Transportauftrag der DB AG betrieben wird, im Einsatz. Dieser Transportauftrag stellt eine Ausdehnung desjenigen für die "Hegnau - Bodensee-Bahn" dar, den die MThB auf der Strecke Kreuzlingen - Konstanz - Singen - Engen mit NPZ-Formationen unter der Bezeichnung "Seehas" ab 1994 erfüllt.

Seit Hebst 1998 fahren auch die normalspurigen elektrischen Doppelgelenktriebwagen RABe 526 auf der durch die MThB von den SBB übernommenen sogenannten Seelinie Schaffhausen - Kreuzlingen - Romanshorn (- Rorschach) in einem teilstreckenweise verstärkten Taktfahrplan.

Seit 1997 bedienen die Meterspur-Triebwagen Be 2/6 der BTI die Strecke Biel - Täuffelen - Ins und lösten dabei bis auf eine Reserve-Komposition drei bestehende Triebwagen-Pendelzüge in normaler Drehgestellbauweise ab, die auf den übrigen Strecken Solothurn - Niederbipp (SNB) und Niederbipp - Langenthal - St. Urbau (RVO) der OSST den vorhandenen Fahrzeugpark verstärken. Zur gleichen Zeit begannen die Be 2/6 der CEV / MOB die vorhandenen Zahnrad-/Adhäsions-Triebwagen der CEV auf der Strecke Vevey - Blonay zu entlasten und die "Panoramastrecke" an der waadtländischen Riviera zwischen Blonay, Chamby und Chernex ob Montreux neu zu beleben

Seit anfangs Januar 1999 steht der im Adtranz-Werk Kassel ausgelieferte erste dieselelektrische Doppelgelenktriebwagen VT 509 103 der Hessischen Landesbahnen (HLB), Frankfurt a.M., im Betrieb. Die HLB, zu der die Frankfurt - Königsteiner-Eisenbahn (FKE), die Kassel - Naumberger-Eisenbahn (KNE), der Verkehrsverband Hochtaunus (VH) und die Butzbacher - Licher-Eisenbahn (BLE) zählt, setzt 12 Einheiten auf Strecken des Rhein-Main-Verkehrsverbundes ein, während je drei Einheiten auf zwei weiteren mitbetriebenen Bahnen verkehren werden. Je nach Einsatzstrecke weisen diese Triebwagen leicht unterschiedliche Belegung der Fahrgasträume (d.h. teilweise mit 1.-Klassplätzen sowie Toiletten) auf.

Auf all diesen Strecken erfreuen sich die geräumigen und komfortablen GTW 2/6 eines steigenden Zuspruches durch die bahnfahrenden Reisenden.

zu den Literaturangaben      GTW 2/6 - Literaturangaben (nächste Seite)

zum Teil V       GTW 2/6 - Teil V (vorherige Seite)

zum Seitenanfang     Seitenanfang

zur Startseite Anschlussgleis online     Anschlussgleis online - Startseite

zur Homepage     Homepage 


© 1999 by Hans Streiff/SEAK, CH-Nussbaumen
Webmaster / 18.06.06