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Bierwagen im Sihltal

von Hans Waldburger, SEAK, Zürich


Bis vor rund zwei Jahren waren Bierwagen in Zürich-Giesshübel ein alltäglicher Anblick. Vier Wagen der Brauerei Hürlimann zirkulierten zwischen Giesshübel und den Bierdepots in Chur, Wattwil, Walenstadt, später in Wil SG und Langenthal. Nach der Übernahme der Löwenbräu Zürich, deren Wagen zuvor am Sihlquai beheimatet waren, kamen auch diese vorübergehend für Transporte ab Zürich-Giesshübel zum Einsatz, darnach wurde alle Wagen nach Luxembourg verkauft. Als Ersatz dienten gemietete SBB-Wagen mit Firmenwerbung. Die Liaison mit Feldschlösschen brachten für kurze Zeit noch eine Belebung des Bildes, indem nun auch Wagen des neuen Mutterhauses samt deren Ableger in Bern (Gurten) und Fribourg (Cardinal) sowie angeschlossener Mineralwasserfabriken den verschlungenen Weg zu Hürlimann fanden. Früher war dies nur ganz vereinzelt der Fall gewesen zum Austausch fehlgeleiteter Gebinde, die bei der Konkurrenz gelandet waren. Nach der Einstellung der Bierherstellung bei Hürlimann wurde der begehrte Gerstensaft vorübergehend in zwei- und vierachsigen Zisternenwagen von Rheinfelden gebracht.

SBB  P 517 099


Ein richtiger Oldtimer war am 22. September 1965 im Bahnhof Zürich-Giesshübel anzutreffen. Der SBB-Privatwagen P 517 099 wurde 1905 erbaut und bei der Sihltal-Bahn SiTB als Pd 130 für die damalige Brauerei Uto in Betrieb genommen. Das Bremserhaus erhielt er erst 1934 angebaut. 1966 wurde der Wagen dann ausrangiert.

Foto: Hans Waldburger


SBB  P 517 101


Länger zu sehen war der SBB-Privatwagen P 517 101 der Brauerei Hürlimann im Zürcher Enge-Quartier. Am 31. Oktober 1966 stand er ebenfalls vor dem charakteristischen Schrägdach-Depot der SZU in Zürich-Giesshübel.

Foto: Hans Waldburger

 

Seit zwei Jahren erkannte man die vom Rangierbahnhof Limmattal Richtung Zürich-Giesshübel und umgekehrt verkehrenden Güterzüge höchstens noch an den Altpapier-Behälterwagen des "Tages-Anzeiger". Nun ist unverhofft wieder Farbe in das Bild gekommen, denn Bierwagen verschiedener Marken kommen nicht nur nach Zürich Giesshübel, sondern bis ins Sihltal. Auf dem Gelände der Baufirma Locher, die den Betrieb in Zürich-Manegg stillgelegt hat, ist eine Getränkehandelsfirma eingezogen. Diese erhält regelmässig Getränkesendungen in Privatwagen verschiedener Firmen. Zum Verschieben der Wagen auf dem Anschlussgleis, das glücklicherweise erhalten geblieben ist, wird der urtümliche Rangiertraktor der Firma Locher weiterverwendet.


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Tatsächlich eine urtümliche Industrie-Lokomotive ist der 1930 von Orenstein & Koppel unter der Fabriknummer 20077 erbaute Rangiertraktor des Typs RL4. Die diesel-mechanische Lok ist 12,9km/h "schnell", hat eine Länge ü.P. von 5'700mm und einen Achsstand von 2'400mm. Auf dem Bild ist sie im Jahre 1983 noch für die Firma Locher & Cie. AG im Einsatz.

Wer sich mehr für Werk-Lokomotiven interessiert, dem sei unsere Übersicht der privaten Schweizer Industrie- & Baudienstlokomotiven empfohlen.

 

Foto: Werner Hardmeier

 

Die Zu- und Abfuhr der Güterwagen erfolgt im Sihltal nicht mehr mit einem eigentlichen Güterzug, sondern wird vom Rangierdienst Zürich Giesshübel besorgt. Regelmässige Kunden sind noch das Werk Zürich Manegg der Zürcher Papierfabrik an der Sihl (Schiebebwandwagen) und die Sand AG im Sood (Zementwagen). Seltener sind Hochbordwagen für Papiersammlungen in Adliswil und Langnau; vereinzelt wird auch Langholz ab Langnau-Gattikon abgeführt. Dazu kommen zurzeit noch Zement- und Langeisenwagen für die Bahn-2000-Baustelle in Zürich Brunau. Je nach Wagenanfall werden die Rangiergeschäfte unterschiedlich abgewickelt, so dass es vorkommen kann, dass die Bierwagen bis Adliswil gelangen.


DB  516 871 P


Nicht ganz ernst gemeint ist wohl die "verschleierte" Angabe des Wageninhalts des DB-Privatwagen P 516 871 der Löwenbräu-Brauerei in München. Der Wagen bringt am 28. März 1966 das köstliche Bier aus Bayerns Metropole offenbar in's Restaurant Forsthaus im Sihlwald.

Foto: Hans Waldburger

 

Der Einzelwagenladungsverkehr wurde bisher von der SZU im Auftrag der SBB AG abgewickelt; der entsprechende Vertrag jeweils nur für ein Jahr abgeschlossen. Ab Fahrplanwechsel 2000 wird die SBB nun diesen Dienst in eigener Regie übernehmen. Mehr dazu in unserer Schienen-News Meldung vom 12. März 2000.

 

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Trainmaster / 28.04.11