Eine Fahrt im Zürcher Gastro-Tram
Eine Neuheit ist das Gastro-Tram auf Zürichs Schienen nun wirklich nicht, denn der Be 6/6 Nr. 1802 hat soeben seine sechste Saison begonnen. Dass sich die SEAK-Berichterstatter aber erst jetzt auf den kulinarischen Rundkurs zwischen See und Hauptbahnhof wagten, hat eigentlich keinen stichhaltigen Grund, ausser demjenigen, dass man sich die Attraktionen, die fast vor der Haustüre vorbeifahren, für "zwischendurch einmal" aufhebt und stattdessen in die Ferne schweift... Das nun vergangene Angebot wollte der Zürcher Bevölkerung - und vielleicht auch dem einen oder anderen Touristen - die bayerische Küche näherbringen. Vor diesem weiss-blauen Hintergrund konnten wir der Versuchung nicht mehr widerstehen und nahmen an einem kühlen und regnerischen Samstag Platz auf den zürcherisch-harten Tramsitzen, die den Umbau des Fahrzeuges (in allerdings veränderter Sitzordnung) überstanden haben. Schon das Absitzen wird zum kommunikationsfördernden Ereignis ("ist das dein Bein nein, das Tischbein streckst du deine Beine geradeaus gut, dann halte ich meine schräg"), bald wird man aber vom freundlichen und aufmerksamen Service empfangen und nach seinen Wünschen gefragt. |
Dass bei der angebotenen Getränkepalette das Bier im Vordergrund steht, ist sicher keine Überraschung. Lieferant ist die Privatbrauerei Aying; offeriert wird u.a. "Jahrhundertbier", Weissbier und, passend zur Starkbierzeit, heller wie auch dunkler Maibock. Wie sich zeigte, ist das bayerische Bier sehr empfindlich, wenn es nicht im richtigen Trinkgefäss gereicht wird. Die (schweizerische) Kellnerin, mit der Materie offenbar noch nicht ganz vertraut, servierte den Maibock im Weissbierglas. Das stolze Bier konterte diesen Affront damit, dass es sich samt Glas beim ersten brüsken Stop der Strassenbahn grusslos vom Tisch verabschiedete und für eine kleine Überschwemmung sorgte. Immerhin kam so etwas "Bierschwemme"-Stimmung auf! Das Personal nahm sich des Malheurs sofort an und brachte einen neuen "Maibock", diesmal korrekt im Steingutkrug. Das Angebot an Speisen präsentierte sich ebenfalls typisch bayerisch. Weisswürste, Bayerischer Wurstsalat, Brotzeitteller, Schweinshaxe die Köche haben die Rezepte gut gelernt, aber, wohl um zu beweisen, dass man sich an der Limmat und nicht an der Isar befindet, sind die Portionen etwas kleiner und dafür die Preise etwas höher als im Original... Das Gastrotram verkehrt ab Bellevue, Dienstag bis Freitag von 11.30 bis 14 und von 18 bis 23 Uhr sowie Samstag von 17 bis 23 Uhr und wechselt sein Angebot laufend. |
Fazit: Auch eingefleischte Strassenbahnfahrer dürfen sich die Abwechslung einmal gönnen und speisend durch Zürichs Strassen fahren. Der Service ist allemal persönlicher und weniger hektisch, als es bei der "grossen" Eisenbahn der Fall ist.
16.12.01 / Webmaster