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Fahrzeugparade der Rigi-Bahnen am 11. Juli 1998 zur Wiederinbetriebnahme von Wagen 32

Die Fahrzeuge der Parade ARB Vorstell-Wagen 32:   Wiederinbetriebnahme
Technik
Geschichte

 

Zur Wiederinbetriebnahme des restaurierten ARB-Vorstellwagens 32 organisierten die Rigi-Bahnen am 11. Juli 1998 eine Parade aller Nostalgie-Fahrzeuge bis hin zu den modernen Pendelzügen aus den Jahren 1986 auf der Vitznauer- und 1982 auf der Goldauer-Seite. Leider lockte das Programm nicht besonders viele Eisenbahnfreunde in die Zentralschweiz – ob es an der unsicheren Wetterentwicklung lag? Den Teilnehmern war das auf jeden Fall egal, sie erlebten einen herrlichen Tag mit Sonnenschein während den Paraden und freier Sicht auf die Züge ohne Menschenmassen vor den Objekten der Begierde.

Dampflokomotive 16 mit Salonwagen B10 und Vorstellwagen 35Nach dem Kurszug 129 machten sich nach 10.00 Uhr ARB-Triebwagen 7 mit dem Festanlass; Wagen 32, die Dampflokomotive 16 mit dem Salonwagen B10 und Vorstellwagen 35 und am Schluß die ARB-Schneeschleuder 8 mit Wagen 33 auf den fast zweistündigen Weg nach Rigi Staffel, dem Startpunkt der Parade. Während Halten auf den Stationen unterwegs, gab es reichlich Gelegenheit für Fotoaufnahmen – auch konnte so mit allen Kompositionen eine Teilstrecke gefahren werden. In Fruttli und Klösterli löschte die schwerarbeitende Dampflok H 2/3 ihren Durst. Ihre rund 500PS brauchte die rüstige Veteranin schon, um die zwei Wagen die Zahnradstrecke hochzuschieben. Nachdem in Fruttli der Dampfzug die Führung der Extrazüge übernommen hatte, fuhren die Kompositionen in der richtigen Reihenfolge in Rigi Staffel ein – bereit zur großen Fahrzeugparade.

Ab Vitznau machten sich die Kompositionen als Kurszug 113 auf den Weg. VRB-Motorwagen 5 übernahm die Spitze, gefolgt von der Dampflokomotive 17 mit Salonwagen B11 und Vorstellwagen 15 sowie der E-Lok 18 mit Vorstellwagen. Auch hier herrliche Motive für Fotofreunde. Zwischen Freibergen und Rigi Kaltbad

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erfolgte eine erste Parallelfahrt mit der Dampfkomposition auf dem Berggleis und den beiden Elektrikern auf der Talseite. Nachdem die 1925 erbaute, 9km/h "schnelle" Dampflok zweimal Wasser gefaßt hatte, wurde auch hier die richtige Reihenfolge ab Kaltbad zur Einfahrt in Rigi Staffel erreicht. Als sich auch noch der ARB-Pendelzug 15/25 und der jüngere Bruder auf der VRB-Seite bei den wartenden Schienenstars eingereiht hatten, stand der ersten Parade dieses Tages, auf den nahezu parallel verlaufenden Trasseen zwischen Rigi Staffel und Rigi Kulm, der einst heftig konkurenzierenden Bahnen, nichts mehr im Wege. Mit 5km/h fuhren nun je eine Komposition von der Luzerner- und der Schwyzer-Seite in Parallelfahrt die letzte Steigung zur Bergstation hoch. Eifrig klickten die Fotoapparate und summten Kameras, entzückt ab der Fülle an Eisenbahn-Nostalgie. Leider fuhren die Pärchen in etwas gar kurzem Abstand – wer keinen Motor an seiner Kamera hatte, kam schon etwas ins Schwitzen. Entschädigt wurden dafür alle, die nicht gleich zum Mittagessen ins Bergrestaurant stürmten; die Fahrzeuge setzten nochmals zurück und fuhren einzeln, im Minutentakt noch einmal die Strecke hoch. Die Geduldigen unter den Fotografen kamen so alle zu ihren Sonntagsschüssen.

VRB-Motorwagen 5Am Nachmittag wurde die Parade noch zweimal wiederholt, einmal auf Bergfahrt zurück nach Rigi Staffel und danach wieder hoch zum Kulm. Zu den bereits erwähnten Schienenstars gesellte sich nun noch ARB-Triebwagen 6, seines Zeichens ältester Zahnrad-Triebwagen der Welt, der in Staffel Wagen 32 von Triebwagen 7 übernahm. Gegen Abend fuhren die Vitznauer Kompositionen als Verstärkung zum Fahrplanzug 24 und die Goldauer als Zug 258 talwärts in die heimischen Depots.

Für Eisenbahnfreunde ein sicherlich gelungener Anlaß. Ob allerdings die Rigi-Bahn Leute in Zukunft wieder eine solche Parade (wohlgemerkt ohne Eintrittsgeld o.ä!) durchführen, ist angesichts der enttäuschenden Besucherzahl sicher mehr als fraglich. Zu hoffen wäre es auf jeden Fall, auch 1999 zur Großen Fahrzeugparade auf die Rigi zu fahren.

 

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Die eingesetzten Fahrzeuge an der Parade

Triebwagen ARB 6 BCFhe 2/3 1911 520PS
Dampflokomotive VRB 16 H 2/3 1923 500PS
Dampflokomotive VRB 17 H 2/3 1925 500PS
Triebwagen ARB 7 BDhe 2/4 1925 600PS
Schneeschleuder-Lok ARB 8 He 2/3 1930 600PS
Lokomotive VRB 18 He 2/2 1938 450PS
Triebwagen VRB 5 BDhe 4/4 1964 1’200PS
Pendelzug ARB 15/25 BDhe 4/4 1982 1’120PS
Pendelzug VRB Bhe 4/4 1986 1’120PS

 

Vorstellwagen 1 60 Sitzpl. 1871
Vorstellwagen B2 60 Sitzpl. 1871
Vorstellwagen 8 60 Sitzpl. 1873
Salonwagen "Belle Epoque" B10 38 Sitzpl. 1873
Salonwagen "Belle Epoque" B11 38 Sitzpl. 1873
Vorstellwagen 32 72 Sitzpl. 1875
Vorstellwagen 33 72 Sitzpl. 1875
Vorstellwagen 35 35 Sitzpl. 1899
Vorstellwagen 15 60 Sitzpl. 1908

 

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Wiederinbetriebnahme von ARB-Vorstellwagen 32

Eigentlicher Anlaß der Fahrzeugparade war der erfolgreiche Abschluß der Restaurierung des Vorstellwagens 32, der ehemaligen Nummer 5 der damaligen Arth-Rigi-Bahn. Der 1875 bei der damaligen Internationalen Gesellschaft für Bergbahnen in Aarau erbaute Wagen, wurde von Grund auf erneuert und restauriert. Er erfüllt damit die heutigen Ansprüche puncto Sicherheit und Komfort ohne jedoch die historischen Belange zu vernachlässigen. Eingesetzt werden kann das Fahrzeug dank Dampf- und Elektroheizung und abnehmbaren Fenstern zu allen Jahreszeiten mit beiden Rigi-Traktionsarten.

Die Geschichte der Wiederinbetriebnahme von Wagen 32 am 11. Juli 1998 begann am 4. Dezember vergangenen Jahres. Damals wurde die Geschäftsleitung der Rigi-Bahnen AG von einer Gruppe von Mitarbeitern angefragt, ob es möglich sei, den seit Jahren unansehnlichen abgestellten Vorstellwagen wieder in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen. Der Wagen wurde seit Jahren nur noch als letzte Reserve und Ersatz in Betrieb genommen. Dementsprechend wurde das Fahrzeug seit Jahren nicht mehr erneuert.

Das Ansinnen der engagierten Mitarbeiter wurde von der Direktion positiv aufgenommen, und so bildete sich das Projektteam um Martin Horath, den Dampflok- und Nostalgiespezialisten der Rigi-Bahnen. Unter seiner Führung wurden sämtliche Details originalgetreu aufgearbeitet und entsprechend ausgeführt. Bis auf die Sandstrahlarbeiten konnten alle Arbeiten von bahneigenen Spezialisten ausgeführt werden.

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Als erstes stand der Abbruch des alten Holz-Wagenkastens und der übrigen verrotteten Bausubstanz auf dem Programm. Danach wurden Stahlrahmen und Fahrgestell komplett zerlegt, sandgestrahlt und oberflächenbehandelt. Die Original-Achsen aus dem Jahre 1875 sind nicht etwa erneuert, sondern wurden reprofiliert und rissgeprüft! Der Wagen-Neuaufbau erfolgte nach Original-Plänen komplett in Eichenholz, das Dach aus Tannentäfer getragen von gebogenen Nussbaum-Spannbogen. Die Aussenfläche des Daches ist wie einst mit Textilfaser bespannt, welche mit Farbe getränkt ist und somit wasserdicht wird. Die Bemalung wurde in den Originalfarben braun-rot in möglichst originalgetreuer Filetierung und Beschriftung aufgrund alter Fotos ausgeführt. Die Sitzbänke sind mit bordeaux-rotem Velourstoff neu bezogen. Alle Beschläge und Armaturen sind aufgearbeitet und anschließend industrievergoldet worden. Die vorhandene 1’500V Elektroheizung ist neu ergänzt durch den Einbau einer Dampfheizung. Die ursprüngliche Bremserplattform wurde rekonstruiert und zum Schluß die neue unvermeidliche Elektroinstallation gut "getarnt".

Speziell zu erwähnen ist das interessante Konzept der Bremsen. Für die Betätigung der Zahnradbremse wurde damals eine Doppelbetätigung eingebaut. Neben der traditionellen, auch heute noch verwendeten Feststellbremse, ist der Wagen mit einer Hebelbremse ausgerüstet, die sowohl als Regulierbremse auf schwachen Steigungen, wie auch als Schnellbremse verwendet werden kann. Auch diese Details wurden vom Restaurations-Team liebevoll wieder aufgearbeitet und originalgetreu zusammengebaut.

Während der Restaurierung konnte anhand von Prägungen in Wagenachsen und Radlagerkästen einwandfrei erwiesen werden, daß der heutige Wagen 32 damals als Wagen 5 angeschafft wurde. Demnach war das Fahrzeug in seiner Erstausführung mit 18 II.-Klasse-, 36 III.-Klassesitzplätzen und einem Gepäckabteil ausgerüstet.

Das Projekt wurde mit einem Aufwand von total sFr. 105'000.- abgerechnet. Davon entfallen sFr. 30'000.- auf Material- und Fremdleistungen, der Rest auf 1'700 Arbeitsstunden, die durch die Rigi-Bahnen Spezialisten aufgewendet wurden.

 

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Technische Daten von Vorstellwagen 32

LüP 9’500mm Höhe 3’150mm
Breite 3’050mm Gewicht 5’100kg
Kapazität 72 Sitzplätze in 6 Coupés à 12 Personen
Beleuchtung 1’500V Normalbeleuchtung / 12V Notbeleuchtung
Heizung 1’500V elektrisch oder dampfbeheizt ab Dampflok

 

Fahrzeug-Geschichte

1875 Inbetriebnahme als ARB-Wagen 5
ca. 1880-1885 Bremserstand von Dach auf Chassis versetzt ca. 1890 Sitzbank-Anordnung auf vis-à-vis geändert
ca. 1930 Verglasung von Wagen und Bremserstand
40er-Jahre neue Farbgebung in blau-weiss
1997-1998 Rekonstruktion in Werkstätte Goldau

 

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