Das Restaurant "Trämli" in Zürich
Tram und Gastronomie diese Kombination gibt es in Zürich nicht nur in Form des "Chuchichäschtli", sondern auch in einem Stadtteil, der für Gourmets sonst kaum von Bedeutung ist. In der Nähe des Bucheggplatzes, der vor allem als Durchgangsort für den motorisierten Verkehr bekannt ist, lockt ein blau-weisses Züri-Tram die Bewohner des Quartiers, aber auch diejenigen, die ihre Schritte bewusst in diese Gegend lenken oder gar einen zufälligen Besucher ins Restaurant "Trämli".
Die Inspiration zur Namensgebung lieferte die Tatsache, dass die Liegenschaft der Baugenossenschaft der Strassenbahner gehört. Die Referenz zum Tram beschränkt sich aber nicht nur auf den Namen, sondern auch auf die Einrichtung des Lokals. Unter einer gewölbten, mit Holzlatten gestalteten Decke, die an die Inneneinrichtung eines alten Trams erinnert, findet man sich in einem hellen, übersichtlichen und gemütlichen Restaurant. Mit von der Partie bei der Gestaltung waren auch die VBZ und der Verein Tram-Museum Zürich. So kann der Gast alte und neue Trambilder, Routentafeln und andere Tramschilder sowie weitere Tramrequisiten bewundern und sich gleichzeitig dem Studium der Speisekarte widmen. Wie es sich für einen Quartiertreffpunkt gehört, dominiert gutbürgerliche Küche das Angebot. Die Preise sind für alle Portemonnaies geeignet, beginnt das Spektrum doch bei Fr. 12.50 für ein Tagesmenü; auch die weiteren Gerichte sind unter Fr. 30.- zu haben.
Meine Begleiterin begann unsere kulinarische Tramfahrt mit einem Nüsslisalat mit Ei und entschied sich dann für Merlan mit Spinat und Reis, während ich mir zum Auftakt einen Rucola-Salat mit lauwarmen Speck- und Brotwürfeli servieren liess und als Hauptgang Straussenfilet, garniert mit Pommes frites und Gemüse wählte. Grosszügigkeit ist die Devise des Hauses, vermögen die Portionen doch einem gut fundierten Appetit beizukommen. Auch die schmackhafte Salatsauce war nicht zimperlich bemessen; die Würzigkeit der Pommes-Frites liess überdies einen Rückschluss auf die frühlingshafte Gemütsverfassung des Kochs zu. Human sind die Getränkepreise, ist doch ein Halbliter Wein im Offenausschank zwischen Fr. 12.50 und Fr. 19.50 zu haben. Als guteidgenössischer Kompromiss zwischen dem Fisch- und dem Fleischgericht machte ein Rosato della Toscana das Rennen.Der joviale, gut aufgelegte Kellner präsentierte uns dann die Dessertkarte, aus der wir zum einen ein ausgezeichnetes Zwetschgensorbet und anderseits (Spanien lässt grüssen) ein Caramelköpfli, hübsch garniert mit Rahm und Erdbeerstücken, auswählten.
Fazit: Erfreulicherweise gibt es auch in Zürich noch Platz für eine preiswerte und mit Freude am Metier gepflegte Gastronomie schweizerischer Prägung. Die Tram-Ambiance mag unsereins dazu anregen, Anekdoten und Reminiszenzen über die VBZ auszutauschen und das "Eisenbahnergarn" zu spinnen...
"s Trämli" befindet sich an der Bucheggstrasse 103 (die Nummer auf dem Tram ist die Hausnummer!), hat täglich bis Mitternacht geöffnet und ist zu Fuss in ca. 3 Minuten von der VBZ-Haltestelle "Bucheggplatz" zu erreichen.